ABOUT A GIRL

Genderfragen // Gender Questions

Hallihallo, ich bin eine cis Frau und in diesem Beitrag soll es genau darum gehen. Zu Beginn des Jahres hat meine liebste Online Sex Educatorin Hannah Witton ein Video gepostet, in dem sie Fragen über ihr Gender beantwortet. Diese Fragen stammen aus einem Twitter-Thread, in dem Heather Flowers cis Menschen dazu aufruft, sich mit ihrem Gender auseinanderzusetzen. Weil das etwas ist, womit sich normalerweise nur trans*, gender-queere, genderfluid, nicht-binäre Personen etc, konfrontiert sehen, ist es laut Heather wertvoll, sich auch mal als cis Menschen damit zu beschäftigen, grade dann, wenn mensch noch nie zweimal über sein*ihr Geschlecht/Gender nachgedacht hat.
Es folgt also mein Versuch, Heathers Fragen zu beantworten. Es war eine Herausforderung. Ich möchte hiermit alle die mitlesen ermutigen, auch mal in sich zu gehen. Du musst nicht alle gestellten Fragen für Dich selbst beantworten und es geht auch nicht zwangsläufig darum große Erkenntnisse zu haben oder Deine Gender-Identität in Frage zu stellen. Es ist einfach ein Anreiz sich mehr mit dem Thema zu beschäftigen, was ich super spannend finde. Ich habe mich schwerer getan mit meinen Antworten als ich gedacht, Dich erwartet jetzt also ein ständiger Wechsel zwischen schnellen, einfachen Antworten und (wütender) Gesellschaftskritik. Viel Spaß!




Hello, I’m a cis woman and in this blogpost I want to explore exactly that. Earlier this year my favourite online sex educator Hannah Witton posted a video where she answered questions about gender that she took from a viral twitter thread. In their thread, Heather Flowers asks cis people to examine their gender identity and gives seven questions for cis people to think about. Because usually only trans*, gender queer, gender fluid, non binary people, etc.  are confronted with the struggle to figure out their gender identity, this is an important exercise for any cis person who has never had to think twice about what gender they identify as.
So here is my attempt at going through Heather’s questions. It was a wild ride. I encourage everyone reading this to do the same. You don’t have to have an answer to all of the questions and this is not about having big revelations and forcing you to change your gender identity – it’s simply an exercise to make you think about this a little bit more, which I think is super interesting. I did struggle a lot while writing this, so my answers might range from quick fire answers to angry rants. Hope you enjoy the ride!

1.Was mag ich an meinem Gender? // What do I enjoy about being my gender?

Ich glaube was ich am meisten mag ist, dass ich es bisher nicht hinterfragt habe – ich hab mich immer wohlgefühlt in meinem Körper (außer wenn ich belästigt werde) und damit mich als cis Frau zu identifizieren.
Klingt vielleicht ein bisschen doof, aber ich bin auch sehr froh darüber keinen Penis zu haben. Stelle es mir einfach sehr anstrengend vor (ungewollte Erektionen und so).




I guess what I enjoy about it most is that I never questioned it – I’ve always felt comfortable in my body (apart from when I’m being catcalled or harassed) and my gender identity.
It might sound dumb to say this, but I’m also really glad I don’t have a penis. It just seems like a lot of work (unplanned hard-ons and all).

2. Warum identifiziere ich mich mit meinem Gender? // Why do I identify with my gender?

Als ich ein Kind und junger Teenager war, wusste ich es einfach nicht besser. Es gab noch nicht so einen offenen Diskurs darüber, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt. Weil ich in einer geschlechts-binären Gesellschaft großgeworden bin und einfach immer wusste dass ich kein Junge/Mann bin, war die einzig mir bekannte Option eine Frau zu sein. Fühlt sich auch einfach immer noch richtig an.




For a long time, especially when I was a child and young teenager, I was very oblivious to the fact that there were any other options for me. Since I was raised in a gender-binary setting and I always knew that I wasn’t a man, identifying as a woman was the logical thing to do and it still feels comfortable to me.

3. Welche gegenderten Erwartungen habe ich an mich selbst? Mag ich diese? Warum, oder warum nicht? // What gendered expectations do I put on myself? Do I enjoy those expectations? Why, or why not?

Ich setze mich sehr unter Druck wenn es ums Kinderkriegen geht. Ich weiß, dass das viel mit meinen Hormonen zu tun hat. Aber manchmal frage ich mich schon, ob ich eigentlich wirklich Kinder haben will, oder ob ich nur glaube dass ich das will, weil es von der Gesellschaft so erwartet wird, wenn Du eine cis Frau bist. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich bald eine Familie haben will, aber ich weiß auch, dass ich nicht in die Rolle der Hausfrau und Vollzeitmutter gedrängt werden möchte. Diese ganze Sache stresst mich mental ziemlich und ich denke mehr darüber nach als gut für mich ist. Trotzdem gefällt mir der Gedanke auch, irgendwann Mutter zu sein (wenn die Welt nicht untergeht bevor es dazu kommt).




I feel a lot of pressure to have kids. I know it has a lot to do with my hormones. But sometimes I’m not sure if I want kids so badly because it’s what society expects from me as a cis woman, or because it’s actually my own personal wish. I’m pretty sure that I want a family soon, but I also know that I don’t want to then be pushed into the role of the caregiver and housewife. This whole thing stresses me out a lot and I think about it more than is good for me. However, I do like the idea of being a mum one day (if the planet doesn’t burn before it comes to that).

4. Welche gegenderten Erwartungen habe ich an andere? Warum? // What gendered expectations do I put on others? Why?

Es klingt bestimmt scheiße, aber wenn es um cis Männer geht, erwarte ich eigentlich immer, dass sie irgendwie böse sind, toxische Männlichkeit und all das. Ich weiß, dass das nicht stimmt. Ich habe viele tolle cis Männer in meinem Leben. Aber wenn ich mich in einer Situation wiederfinde, in der ich hauptsächlich von Kerlen umgeben bin, fühle ich mich sehr schnell unwohl, weil ich denke, dass sie mir wehtun könnten, mich sexualisieren, etc. (auch wenn die Wahrscheinlichkeit gering ist). Vielleicht fällt es mir deswegen so schwer mich auf Dates einzulassen, lol.
Ich glaube nicht, dass ich ähnlich viele Erwartungen/Vorurteile gegenüber anderen Gendern habe, oder zumindest bin ich gewillter an meinen Erwartungen zu arbeiten, weil sie mir weniger häufig bestätigt werden als die, die ich gegenüber cis Kerlen habe.
Aber es ist auf jeden Fall schwer sich komplett von gegenderten Erwartungen loszusagen, wenn mensch in einer geschlechts-binären Gesellschaft groß geworden ist, mit strengen Regeln und Vorstellungen davon wie viele Geschlechter es geben darf und wie mensch diese zur Schau stellt. Ich muss mich oft selbst ermahnen, dass das Aussehen einer Person nichts darüber aussagt, welchem Gender sie angehören, oder was für einen Charakter sie haben. Warum verfalle ich trotzdem immer wieder in diese Muster? Ich denke, ich wurde einfach dazu konditioniert. Es ist ein langer und schwerer Prozess etwas  wieder zu verlernen und sich einem System zu widersetzen, dass seit Ewigkeiten reproduziert wird (dank des Patriarchats, dem Kolonialismus, White Supremacy…).




This will sound really shitty, but when it comes to cis men, I expect them to be bad in some way or another, toxic masculinity and all. I know that this isn’t true. I have loads of great cis men around me. But when I’m in a social setting where I’m mainly surrounded by dudes, I feel super uncomfortable, thinking that (even though they most likely won’t) they still COULD hurt me, sexualise me, etc. Maybe that’s why dating is something that scares me so much, lol.
I don’t think I put as many gendered expectations on people other than cis men, or at least I am trying to work on that more because these expectations aren’t confirmed to me as regularly as the ones I have about dudes.
But it’s hard to be completely without gendered expectations, when you are socialised in a gender-binary society that has very strict rules about what genders there are and how we should present them to the world. I have to remind myself that someone’s looks don’t say anything about their gender identity, or character for that matter. Why do I still try to put people into boxes? Again, I suppose it has a lot to do with social conditioning. It is a long process of unlearning a system that has been reproduced for centuries (thanks to the patriarchy, colonisation, white supremacy).

5. Welchen Einfluss hat gesellschaftlicher Druck darauf, wie ich mein Gender präsentiere? // How do societal pressures affect my gender presentation?

Wie ihr vielleicht schon von früheren Blogbeiträgen wisst, ist Körperbehaarung ein großes Thema für mich, das auf jeden Fall mit dieser Frage zusammenhängt. Dieser dauerhafte Druck, dass weiblich gelesene Körper haarlos und glatt sein müssen, beeinflusst mich wohl immer noch irgendwie. Es ist schwer, aber ich lerne mehr und mehr, diesen Erwartungen aus dem Weg zu gehen.
Generell glaube ich, sind Schönheitsideale ein großes Problem für alle Gender, das vermutlich stark beeinflusst, wie ich (und andere bestimmt auch) mich als Frau in der Öffentlichkeit bewege und darstelle. Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob ich mich gerne hübsch und feminin anziehe, weil ich es selbst mag, oder ob ich diese Erwartungen einfach schon so verinnerlicht habe, dass ich glaube ich tu’s für mich selbst.




As you all know from previous blogposts, I’ve struggled with body hair and the pressures put on our bodies (especially female presenting) to be hairless and smooth. It’s still an ongoing process, but I’m definitely learning to dodge these expectations.
In general, beauty standards are a big issue for all genders, I believe. It definitely has an influence on how I (and others too, probably) present myself as a woman in public. Sometimes I’m not sure, if I like to dress fancy and feminine because I actually enjoy it, or if I have just internalised societal expectations so much that I think I do.

6. Wie kann ich mein Gender bereichern? Welche Dinge machen mein Gender glücklich? // In what way could I better feed my gender? What small things could I do in order to make it happy?

Was mich als Frau glücklich macht, ist wenn ich von anderen FLINTA*s (Frauen, Lesben,  Intersex, Nichtbinär, Trans, Agender Personen) umgeben bin. In feministischen Kreisen, oder auch wenn ich mich mit meinen Freund*innen treffe, wo ich mich bereichert und empowered fühle und vielleicht sogar etwas von dieser Energie zurückgeben kann – da fühle ich mich als Frau am meisten bestätigt und gut.




What always makes me feel happy as a woman, is being in situations when I’m surrounded by other WLINTA*s (Women, Lesbians, Intersex, Non-binary, Trans, Agender people). In feminist settings or when I’m surrounded by my queer and girl friends, where I feel empowered by the people around me and like I can give back to them in some way or another, that’s when I feel most secure and happy as a woman.

7. Wie stelle ich mir Gender als Konzept vor? Wie sieht meine eigene Gender-Identität aus, wenn ich sie visualisieren müsste? // How do I visualise gender as a concept? What does my gender, in specific, look like?

Ich bin fest davon überzeugt, dass Gender ein Konzept ist, das weit entfernt liegt von dem Zwei-Optionen-Konstrukt das seit Jahrhunderten etabliert wurde (spoiler alert: sogar das „biologische Geschlecht“ ist ein gesellschaftliches Konstrukt, aber darüber sprechen wir vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt). Ich sehe Gender/Geschlecht als ein Spektrum, vielleicht wie einen Farbkreis (wie die mit denen mensch bei Photoshop und so arbeitet), auf dem sich alle frei bewegen können und keine*r muss sich für eine vorgegebene Farbe entscheiden, weil sie alle ineinander übergehen.
Meine eigene Gender-Identität stelle ich mir als etwas blumiges vor, das in den Wolken schwebt. Vielleicht eine Kreuzung aus Orchidee und Pfingstrose. Es ist auf jeden Fall golden, denn das ist meine Lieblingsfarbe, ich fühl mich zu der Farbe immer hingezogen und mag wie warm sie sich anfühlt; aber ich sehe auch minzgrün als Farbe für mein Gender, wie in einem Tobe Nwigwe Musikvideo. Zusammengefasst: Mein Gender ist irgendeine blühende, gold-mintige Pflanze, die auf einer kleinen Regenwolke lebt und das finde ich ziemlich schön.




I strongly believe that gender is a concept that is far from being this two-options-construct that was established forever ago (yes, even the „biological sex“ is socially constructed, but let’s not go there for now). I see it as a spectrum and I like to think of it as a colour wheel (like the ones you work with in Photoshop or something), where everyone can move around and doesn’t have to choose between set colour options because they all blend into each other.
My own personal gender I would visualise as something flowery that lives in the sky. Maybe a mix of an orchid and peony. It is golden, because gold is my favourite colour, I always feel drawn to it and I love how warm it is, but I also see a bit of mint in there, like in a Tobe Nwigwe music video. So yeah, my gender is some kind of blooming, golden-mint plant, sitting on a little raincloud, and I think that’s beautiful.
Uuuufff, wir haben es beide zum Ende dieses Beitrags geschafft. Bestimmt gäbe es noch viel mehr zu sagen. Mich mit Heather Flowers Fragen auseinanderzusetzen hat mich auf jeden Fall weitergebracht in meinem Denken rund ums Thema Geschlecht/Gender. Ich hoffe, es war auch für Dich interessant und Du wirst Dir Heather Flowers Fragen auch selbst nochmal stellen (besonders als cis Person).
//K.




Oooouuufff, we both made it through this blogpost. I’m sure I could have said a lot more still. Answering Heather Flowers‘ questions has really helped me to dive deeper and learn more about the topic of gender. I hope it was interesting for you to read and that you might feel inspired to also answer Heather Flowers‘ questions for yourself (especially if you’re a fellow cis person).
//K.

Fotos // Photos: © Kaja v.d.B.

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