BODY HAIR

eine haarige Angelegenheit // a hairy situation

Als ich ungefähr zwölf war, habe ich angefangen mir die Beine zu rasieren. Ich hatte es nicht wirklich nötig (ich habe blonde Haare und war immer noch ein Kind), aber ich beobachtet meine Mutter dabei und dachte es sei cool und so erwachsen und würde mich zu einer „echten Frau“ machen.
Ich erinnere mich außerdem an die Lästereien in der Schule. Die Kommentare der anderen Mädchen, als ich ihnen sagte dass ich nicht all meine Schamhaare rasierte. Dass es angeblich irgendwie eklig und seltsam war, ein bisschen was stehenzulassen. Als ich nach dieser Unterhaltung nach Hause kam, hab ich natürlich sofort begonnen mich komplett zu rasieren, ohne es weiter zu hinterfragen. Ich fing an zu glauben, dass ich mich sauberer und schöner fühlte, wenn ich keine Haare an den Beinen, den Achselhöhlen und im Intimbereich hatte. Es ging so weit, dass ich mit neunzehn eine Laserbehandlung zur dauerhaften Haarentfernung begann. Das kostet sehr viel Geld ( Ich habe zwischen 150€ und 300€ pro Session bezahlt) und mensch muss im Durchschnitt zwischen sechs und acht Behandlungen haben, bevor er*sie die Haare endgültig los ist. Und das alle fünf bis acht Wochen, ohne eine hundertprozentige Garantie, dass die Haare dauerhaft weg sind.
Ich habe mich im Vorhinein gut informiert, weil ich ein möglichst erfolgreiches Ergebnis haben wollte. Ich sehnte mich danach, mir keine Gedanken über meine Körperbehaarung mehr machen zu müssen. Ich wollte einen Bikini tragen, ohne ständig daran zu denken, dass hier oder da vielleicht ein Haar rausgucken könnte, das ich beim rasieren übersehen hatte.
Als ich dann mit der Behandlung begann, hatte ich zunächst Angst, dass es schmerzhaft sein würde, aber ich war positiv überrascht. Es wird sehr viel kühlendes Gel aufgetragen, so dass die Laserblitze mehr kitzeln als dass es wehtut. Mir fiel allerdings auf, dass es von meinem Zyklus abhängig, manchmal etwas schmerzhafter war (wenn ich meine Periode hatte, war ich empfindlicher).


I started shaving my legs when I was about twelve. Not because I really needed to (I had blonde hair and I was still a freaking child), but because I saw my mum doing it and thought it was so cool and adult and would make me „more of a woman“.
I also remember the body shaming going on at school. How the girls would comment when I told them I didn’t shave off all my pubic hair. That it was gross and simply weird to leave some of the hair. Of course, when I got home after that conversation I immediately started shaving completely, without questioning it for a long time. I started to believe that I felt cleaner and prettier without hair on my legs, my armpits and my private parts. This went on so far that I started laser treatment for permanent hair removal by the age of nineteen. It cost a lot of money ( I paid between 150-300€ per session) and you have to have a session every six to eight weeks, until it is effective. Usually it will take between five to eight sessions until the hair is gone, though there is no guarantee that it will stay gone for ever.
I did a lot of research on it, before starting the treatment, because it is a huge expense and I wanted to make sure it would work. I longed for the day where I would not have to worry about my body hair anymore. I wanted to put on a bikini and not have to keep my legs closed to avoid showing some hair I might have missed while shaving.
When I finally started, I was really scared that the laser treatment might be painful, but it was positively surprised. They use a lot of cooling gel before turning on the lasers and most of the time it would tickle more than anything else. I did realise though that it would become a bit hurtful, depending on where I was at in my menstrual cycle (it would be uncomfortable, when I was on my period). 
Insgesamt hatte ich etwa zwölf Behandlungen und war zunächst zufrieden, wurde dann aber immer frustrierter. Am Anfang freute ich mich darüber, dass es länger dauerte, bis die Haare wieder nachkamen und auch, dass es insgesamt weniger wurden. Aber sie sind nie ganz weggegangen, nicht mal nachdem ich mehr Behandlungen als durchschnittlich notwendig hinter mich gebracht hatte.
Als ich nach Leipzig zog, hatte ich etwa acht Sessions hinter mir. Bei meinem neuen Beautysalon war die Behandlung für die gleiche Leistung wesentlich billiger, so dass ich neuen Mut schöpfte; die Haare wuchsen aber nach wie vor immer wieder nach.
Obwohl die ganze Sache ohne Erfolg blieb merkte ich, dass ich zunehmend seltener darüber nachdachte, ob ich „haarig“ war oder nicht.
Inzwischen ist es mir fast immer egal. Ich rasiere mich immer noch ab und an, wenn ich Lust und Zeit dazu habe, aber ich mache mir nicht mehr ständig Gedanken darüber. Vor allem zur kalten Jahreszeit, sehe ich es nicht ein mich ständig zu rasieren. Niemand wird meine Körperbehaarung sehen. Und selbst wenn, ist es doch etwas sehr natürliches und ich will mich deswegen nicht mehr schämen müssen. Es ist schlimm wenn mensch darüber nachdenkt, dass ein weiblich gelesener Körper, um in unserer Gesellschaft als schön und begehrenswert gesehen zu werden, so glatt und haarlos sein soll wie der Körper eines Kindes.
Falls du dich dazu entscheiden solltest deine Haare auf dem ein oder anderen Wege loszuwerden und du die finanziellen Mittel hast, dann lass dich nicht aufhalten! Glaub mir, ich versteh das. Jede*r sollte selbst herausfinden, womit er*sie sich am wohlsten fühlt.


I did about twelve sessions in total, and although I was happy with the results at first, it became very frustrating after a while. In the beginning I was glad to see that the hair would take longer to grow back and that it had become less than before. But it was never completely gone, not even after more sessions than usually estimated.
After moving to Leipzig, I went to a new beauty salon. I’d already had about eight treatments then. It was much cheaper than the one I went to before, for the exact same service and result, so I felt a new wave of hope and motivation, but again the hair kept coming back.
The treatment, though not successful, brought something else to my attention though. The fact that I started to care less and less if I was “hairy“ or not.
I started to not give a shit about it anymore (most of the time). I still shave occasionally, when I feel motivation to do it and can find the time, but it’s nothing I obsess over anymore. Especially now, as winter is here, I just don’t see the point of having shaved legs. No one will see them anyway. Same goes for armpits and private parts and even if someone sees them – body hair is something so natural and I am just tired of feeling shame around it. It’s sickening to think, that a female identifying/presenting body is supposed to be hairless like a child’s in oder to be seen as desirable and beautiful by mainstream society.
Of course, if you decide that you want to undertake permanent hair removal, or shave and wax, and you have the means to do so, go for it! Trust me, I get it. Everybody should do what they are most comfortable with.
Ich bin noch nicht an dem Punkt angekommen, wo ich den Gedanken abschütteln kann, dass meine Körperbehaarung mich weniger schön oder liebenswert macht, aber ich arbeite daran. Ich möchte mich immer noch für besondere Anlässe rasieren. Wenn ich Werbung für Haarentfernungscreme sehe, bin ich immer noch interessiert daran. Ich weiß also, dass es schwer ist aus anerzogenen Denkmustern auszubrechen. Aber Werbung, Pornos und die verurteilenden Kommentare anderer Menschen sollten nicht bestimmen, wie wohl mensch sich im eigenen Körper fühlt.
Ich persönlich habe festgestellt, dass mein Verlangen danach keine Körperbehaarung zu haben mehr damit zusammenhängt, was ich von der Welt mitbekommen habe und was mir von anderen gesagt wurde, als damit womit ich mich selbst am wohlsten fühle.
Wenn ich Freund*innen oder irgendwen sonst mit Körperbehaarung sehe, dann freu ich mich inzwischen irgendwie darüber! Es lässt sich ein wachsendes Bewusstsein für die Manipulation in der Gesellschaft wahrnehmen, wenn es um (weibliche) Körperbehaarung geht. Und wenn jemensch daraus ausbricht, ist es ein weiterer Schritt in Richtung Normalisierung.
Wenn ich heute an dem Beautysalon vorbeilaufe, bei dem ich meine Laserbehandlung hatte, versuche ich, mich nicht schlecht dafür zu fühlen, dass ich selbst in die Falle getappt bin und im wahrsten Sinne des Wortes dafür bezahlt habe und stattdessen, froh über die Erfahrung mit der Haarentfernung zu sein.
//K.


I’m not at the point yet where I am completely free of the thought that my body hair makes me less beautiful or lovable, but I am working on it. I still feel the desire to shave for special occasions. Advertisement about hair removing lotions still sparks my interest. So I know that it is really tricky to brake out of boxes that we are taught to think in. But things like adverts, porn and other people’s judgmental comments should not determent how you feel most comfortable with your body.
For me personally, I have come to realise that my desire to be hairless was more of an reaction to what I saw in the world and was told by others, rather than what I actually think and feel more comfortable with.
Whenever I see a friend or any person rocking some body hair, I get so happy! Because we can see a growing awareness for the manipulation going on in society and whenever someone starts to break out of it, it’s another step towards normalisation of (female) body hair.
When I walk passed the beauty salon I used to go get my laser treatment at, I try not to be angry at myself for falling into this trap and literally paying for it, but I am also glad for the experience.
//K.

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