J.: RAINBOW FAMILIES

BUSENFREUND*INNEN // BOSOM BUDDIES:
PRIDE MONTH SPECIAL PART IV.

meine Regenbogenfamilie // my rainbow family

Wenn mich jemensch auf meine Familie anspricht, sage ich immer als erstes: Meine Familienkonstellation ist kompliziert. Und das ist sie tatsächlich. Ich habe noch niemanden kennengelernt, der*die eine kompliziertere Familienkonstellation hat als ich. Meine Familie besteht mehr oder weniger aus den folgenden Menschen (Namen aus Schutz der Persönlichkeit geändert):




When someone asks me about my family, I always say that it’s a complicated mix. And that’s absolute true. I’ve yet to meet someone with a more complicated family history and constellation than mine.
My family is more or less made up of the following people (names have been changed to protect everyone’s privacy):

Die blauen gestrichelten Linien stehen für Halb- bzw. Stiefgeschwister auf der Seite meiner Mutter, von meinem Standpunkt aus gesehen. Die orange-gestrichelte Linie steht für die Halbgeschwister auf der Seite meines Vaters.





The dotted lines stand for a half- or step-sibling relationship. Blue is for my half- and step-siblings on my mum’s side of the family, the yellow one for my half- or step-sibling(s) on my father’s side.

15 Monate vor meiner Geburt kam mein ältester (Halb-)Bruder Janosch auf die Welt. Dieser ist der Sohn meines Vaters und seiner damaligen Freundin Sarah. Mein Vater und Sarah blieben aber nicht lange zusammen und mein Bruder wuchs zum Großteil bei seiner Mutter auf. Später lernte mein Vater dann meine Mutter in einer Diskothek kennen und ich wurde bald als erstes Kind meiner Mutter geboren. Als ich ca. 5 Jahre alt war kam mein zweiterer Bruder, Norbert, zu Welt. Mit ihm zusammen wuchs ich größtenteils bei meiner Mutter auf. Norbert ist der Sohn meiner Mama und dem damaligen Freund meiner Mutter, der in der Grafik Adelbert heißt.

Nach der Beziehung mit Adelbert vergingen 10-11 Jahre, in denen meine Mutter keinen Partner bzw. keine Partnerin hatte. Als ich 15 war lernte mein Mama Ursula kennen. Ursula und meine Mama entschlossen sich schon bald zusammen zu ziehen und heirateten bzw. verpartnerten sich nach einem Jahr Beziehung. Die Ehe für alle gab es in Deutschland nämlich erst später. Trotzdem war damals eine Familiengründung von zwei Müttern, mit Hilfe einer Samenspende, schon möglich. Meine Mutter und Ursula suchten sich den Samenspender selbst aus. Es war ihnen wichtig, dass dieser auch etwas Kontakt zu den späteren Kindern halten würde. Dies ist bei einer anonymen Spende nicht möglich. Als erstes bekam meine Mutter meinen Bruder Jan. In nicht allzu großem Abstand folgten dann Elsa und Martin. Diese sind die leiblichen Kinder von Ursula. Der Spender blieb aber der gleiche.

Kleine Randnotiz: Ich selbst outete mich irgendwann als schwul. Allerdings denke ich, dass mensch mit seiner*ihrer Sexualität geboren wird und die Sozialisation dazu nur wenig beiträgt.



15 months before I was born my older (half) brother Janosch was born. He is the son of my father and his former partner Sarah. My dad and Sarah didn’t stay in a relationship for long though, so my brother mainly grew up living with his mother. Later on my dad met my mum in the club and soon I was born as my mum’s first child. When I was about five, my second brother Norbert was born. I mainly grew up with him, living with my mum. Norbert is the son of my mum and her then partner, whom we will name Adelbert here.

After her relationship with Adelbert ended, my mum stayed single for about ten years. When I was 15, she met Ursula. Ursula and my mum decided to move in with each other and married, or rather entered a registered same sex relationship, after being together for a year. Same sex marriage wasn’t legal in Germany yet. That only happened in 2017. Still, they were at least allowed to start a family together as two mothers, with the help of a sperm donation. It was important to them that the donor they picked would be in touch with any resulting children. That’s not possible, if you choose a anonymous donation. First, my mum gave birth to my brother Jan. Shortly after that my siblings Elsa and Martin followed, as the biological children of Ursula. The donor for all three of them is the same.

Short side note: At some point I came out as gay myself. But I strongly believe that sexuality is something you are born with and has nothing to do with how you are socialised.

Was sind Regenbogenfamilien? // What are rainbow families?

Meine Familie wird heutzutage noch immer als etwas Besonderes angesehen, obwohl in Deutschland mittlerweile in über 12.000 Haushalten Kinder in ähnlichen Familienkonstellationen aufwachsen und die Tendenz steigend ist. In den UK sind die Zahlen mehr als doppelt so hoch. Die Familienkonstellationen, von denen ich spreche, heißen Regenbogenfamilien.
Was sind Regenbogenfamilien? Regenbogenfamilien sind nicht nur Familien, die aus zwei Vätern oder zwei Müttern bestehen. Regenbogenfamilien sind alle Familien, in denen mindestens ein Elternteil gleichgeschlechtlich liebt bzw. lebt oder transgeschlechtlich lebt.
Regenbogenfamilien können ganz unterschiedlich entstehen bzw. zusammengesetzt sein:

  • Aus einer Vater-Mutter-Kind Familie kann eine Regenbogenfamilie werden, wenn die Mutter oder Vater beginnen gleichgeschlechtlich zu lieben. Aber auch das Transgenderouting einer der beiden Elternteile kann dazu führen.
  • Regenbogenfamilien können auch entstehen, wenn sich lesbische, schwule, bisexuelle, transgeschlechtliche und intergeschlechtliche Menschen Kinder wünschen und eine Familie gründen. Bei Mütterpaaren geschieht dies meist durch eine Samenspende. Diese kann anonym aus einer Samenbank sein oder aber auch mithilfe eines bekannten Spenders.
    Bei Väterpaaren kommt das Kind entweder durch Adoption, Pflege oder Leihmutterschaft in die Familie. Hierbei kommt es aber stark auf die rechtliche Lage des jeweiligen Landes an.
  • Direkt adoptiert werden Kindern in Deutschland sowohl von Mütterpaaren als auch von Väterpaaren eher selten. Meist werden die Kinder im Ausland adoptiert oder sie leben zunächst im Pflegeverhältnis bei der Väter-/Mütterfamilie innerhalb Deutschlands. Letzteres ist auch der Hauptweg über den Väterfamilien in Deutschland ihren Kinderwunsch erfüllen können.
  • Auch Mehrelternkonstellationen, die unabhängig von einer Liebesbeziehung sein können, können Regenbogenfamilien sein.



My family is still seen as something special and outside the norm these days, even though there are more than 12.000 households with kids who grow up in similar family settings, with numbers increasing. In the UK the number is more than twice as high. These family constellations are also called rainbow families.
But what falls under this umbrella term of rainbow families? Rainbow families are families that involve two fathers or two mothers as parents. But they can also be families where only one parents is romantically interested in the same sex or living as trans*.
Rainbow families come in many different forms and sizes:

  • A father, mother and child(ren) can be a rainbow family, if their one or both parents are romantically interested in the same sex. Another scenario could be one of the parents coming out as trans*. 
  • When lesbian, gay, bisexual, trans* or inter people want to have children that can also lead to a rainbow family. With two mothers, a child can be conceived by getting a sperm donation, either anonymous or not. Two fathers most likely can have children by adopting, fostering or having a child via surrogacy. All of these options are very dependent on the laws in your country though.
  • Adoptive children with same sex parents are relatively rare in Germany. A lot of the time, they are adopted from another country or come into the family as foster kids before being adopted. The latter is the main way gay couples in Germany use to start a family.
  • Families with more than two parental figures can be rainbow families, no matter what kind of relationship the parents live in.
Nun zur rechtlichen Lage in Deutschland. Seit 2017 gibt es die Ehe für alle. Mit ihr einhergehend bekamen Regenbogenfamilien nahezu alle Rechte die auch heterosexuelle Ehepaare haben. Darunter fallen steuer-, familien- und sorgerechtliche Aspekte. Leider werden, trotz der Ehe für alle, Regenbogenfamilien nach wie vor in gewissen rechtlichen und gesellschaftlichen Punkten benachteiligt.
Wenn ein heterosexuelles Ehepaar ein Kind bekommt, ist der Mann automatisch der rechtliche Vater des Kindes. Dies gilt auch wenn das Kind durch eine Samenspende aus einer Samenbank gezeugt wurde. Ist eine Frau, welche zum Beispiel in einer Beziehung mit einer anderen Frau lebt, zum Zeitpunkt der Geburt ihres Kindes mit dessen Mutter verheiratet gilt diese Regelung nicht. Das heißt, die Ehepartnerin, die das Kind nicht bekommt, muss das Kind erst adoptieren (Stiefkindadoption) um als zweiter Elternteil anerkannt zu werden.
Unverheiratete, heterosexuelle Paare können ein Kind bereits vor der Geburt als rechtliches Kind anerkennen lassen. Diese Option steht LGBTQIA+ Paaren nicht zur Verfügung. Unverheiratete/nicht verpartnerte Paare können bis jetzt keine Stiefkindadoption durchführen.
In Deutschland unterstützen nicht alle Samenbanken, Gynäkologen*innen und Kinderwunschzentren den Kinderwunsch von lesbischen Paaren. Sie sind dazu rechtlich nicht verpflichtet.
LGBTQIA+ Paare haben es tendenziell schwerer, wenn sie ein Kind in Deutschland adoptieren wollen. Nicht alle Gemeinden sehen diese Art von Adoption als üblich an. Wenn es um internationale Adoption geht, gibt es Länder die gleichgeschlechtliche Paare als Adoptiveltern ausschließen oder nur unter strengen Auflagen zulassen.
Die Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten. Es gibt die Option der Leihmutterschaft im Ausland mit einer anschließenden Adoption. Eine Adoption, die z.B. in den USA getätigt wurde, wird dann in Deutschland anerkannt.
Die Elternschaft im Rahmen von ausländischen Leihmutterschaften ist in Deutschland allerdings nicht rechtlich geregelt. Es gibt Fälle, in denen diese ohne Adoption anerkannt wurde. Allerdings entscheiden die Gerichte für jeden Fall separat. HIER kannst du mehr über die rechtlichen Möglichkeiten erfahren.
Co-Parenting mit mehr als zwei Elternteilen: Das deutsche Recht kennt nur zwei Elternteile, folgt also einem sehr monogamen, heteronormativen Schema.



So let’s talk about the legal situation in Germany. Same sex marriage became legal in 2017. Through that, rainbow families and same sex relationships have gotten almost the same rights as heterosexual couples and their families. These include tax, family, and custody aspects of law. Sadly, even though same sex couples are now allowed to marry, they are still discriminated against in some legal and societal aspects.
When a heterosexual, married couple has a child, the man automatically is listed as the child’s rightful father. It’s the same, if they have used a sperm donation to get pregnant. If a woman, who for example is in a relationship with another woman, has a child and she is married to her partner at the time of birth, this rule doesn’t apply to them. The spouse who isn’t pregnant has to legally adopt the child in order to be legally accepted as the second parent (this is called stepchild adoption).
Heterosexual couples who are unmarried, can be legally recognised as their child’s parents even before it is born. LGBTQIA+ couples don’t have this option. If they are not married or live in a registered relationship, stepchild adoption is not allowed.
Not all sperm donation centres, gynaecologists and fertility centres support the desire of lesbian couples to have children. They are not legally bound to do so.
It is also harder for LGBTQIA+ couples to adopt in Germany. Not all counties see same sex parents as something common. International adoption can be tricky, because not all countries allow same sex adoptive parents, or they have stricter conditions for those parents.
Surrogacy is illegal in Germany. There is the option of finding a surrogate in a different county and adopting the child after its birth. An international adoption, for example of a child in the US, is recognised in Germany. The adoption of a child conceived through international surrogacy however, isn’t regulated by German law. There are cases were the parents were recognised as such without having to go through an adoption process. But every case is treated individually in court. You can find out more about the legal options HERE.
Co-Parenting isn’t recognised in German law, which therefore limits options of non-monogamous and non-heterosexual relationships and parents.
Wie sieht es rechtlich in der UK aus? Dort ist die Samenspende für Mütterpaare erlaubt. Hierbei wird zwischen Paaren in einer Lebenspartnerschaft/Ehe und solchen die nicht liiert sind unterschieden. Im ersten Fall ist die nicht gebärende Mutter automatisch die zweite Mutter des Kindes, egal ob das Kind in einer, in der UK zugelassenen Klinik oder zuhause gezeugt wurde. Im zweiten Fall muss die nicht gebärende Mutter eine Adoption durchführen, wenn das Kind außerhalb einer in Großbritannien zugelassenen Klinik gezeugt wurde.
LGBTIA+ Eltern oder Einzelpersonen können in England ein Kind adoptieren oder Pflegeeltern werden. Sie müssen dafür nicht verheiratet sein. Leihmutterschaft ist dort auch erlaubt. Allerdings darf weder für sie geworben werden, noch dürfen Vereinbarungen auf kommerzieller Basis geschlossen werden. Leihmutterschaften, die im Ausland geschlossen werden, unterliegen bei ihrer Anerkennung dem englischen Elternschaftsgesetz. Bis die elterliche Anordnung, die innerhalb von sechs Monaten nach der Geburt beantragt werden kann, genehmigt wurde ist die Leihmutter die rechtliche Mutter. Falls diese verheiratet ist oder in einer Lebenspartnerschaft lebt, gilt ihr*e Partner*in zunächst als zweites, rechtliches Elternteil und verliert dieses Recht auch erst mit der elterlichen Anordnung.
Für polygame oder Patchwork Familien gibt es auch genauere Regellungen als in Deutschland. In Großbritannien ist es möglich durch eine Vereinbarung über die elterliche Verantwortung oder durch eine gemeinsame Aufenthaltsverfügung eine rechtliche Grundlage für Co-Parenting-Vereinbarungen zu schaffen. Somit können sich zwei Paare oder eine Einzelperson mit einem Paar zu einer Familie zusammenfinden und gemeinsam Kind(-er) erziehen. Dabei gelten allerdings immer nur zwei Personen als rechtliche Eltern. Die dritte oder die dritte und vierte Person können aber rechtlich elterliche Entscheidungen treffen.



So what’s the situation like for rainbow families in the UK? Sperm donations for lesbian couples is legal. However, there is a difference between the two mothers being married/in a registered partnership and those who are not. In the first case, the mother that isn’t pregnant automatically is recognised as the child’s second parent, no matter if the child conceived in a British hospital or at home. In the second case, where the two mothers aren’t married/in a registered partnership, the second mother has to go through an adoption process, when the child was conceived outside of a British hospital.
LGBTQIA+ couples or single people can adopt and/or foster children in England. They don’t have to be married to do so. Surrogacy is also legally accepted in the UK. However, you are not allowed to promote the process, nor conclude any agreements on a commercial basis. An international surrogacy have to be recognised under the British parental laws. After a child is born, a couple has six months to file their parental agreement, otherwise the surrogate mother is seen as the rightful parent of the child. In case the surrogate mother is married or in a recognised relationship, their spouse is seen as the second parent to the child and only looses these rights after an official agreement is finalised.
In Great Britain, there are also laws in place for polyamorous and/or patchwork families. It’s possible for parents to establish legal co-parenting agreements that involve more than two people. This means that two couples or maybe a single parent and a couple, can form a family and raise their children together. Even though two people are still count as the legal parents of a child, other parental figures involved can make legal parental decisions. 
Abschließend möchte ich die Frage: „Was ist Familie?“ beantworten. Familie ist, wenn sich aus Liebe mind. zwei Menschen zusammenfinden und ihr Leben miteinander verbringen wollen. Familie muss auch nicht immer „Kinder haben“ bedeuten. Auch ein Paar in einer Beziehung kann schon eine Familie sein.
//J.

Name: Joel (er/ihm)
Alter: 25
Körbchengröße: //
Sternzeichen: Jungfrau
Aktuelles Lieblingslied: MONTERO (Call Me By Your Name) – Lil Nas X
Wenn ich ein Tier wäre, wäre ich ein: Eichhörnchen
Drei Sachen die ich nicht mag: toxische Männlichkeit, zu warm & zu kalt, Engstirnigkeit



Finally, I just want to answer the question „What is family?“. For me, family is when at least two people come together because they love each other and want to spend their lives together. I don’t think family has to necessarily mean having kids. Two people in a relationship can also be a family of their own.
//J.

Name: Joel (he/him)
Age: 25
Cup Size: //
Zodiac Sign: Virgo
Current Favourite Tune: MONTERO (Call Me By Your Name) – Lil Nas X
If I Were An Animal, I Would Be: a squirrel
Three Things I Don’t Like: toxic masculinity, when it’s too hot or too cold, bigotry

Foto & Graphik // Photo & Graph: © Joel V.

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