SHREYA: THINGS PEOPLE SAID

BUSENFREUND*INNEN // BOSOM BUDDIES:
PRIDE MONTH SPECIAL PART I.

„Ist schon okay, aber denk dran, dass ein Penis am Ende des Tages alles toppt.“

Das war die erste Reaktion die ich jemals bekam, als ich mein größtes Geheimnis preisgab. Ich hab es meiner damals engsten Freundin erzählt, in der Hoffnung sie würde mir gut zusprechen, dass es okay und normal ist. Stattdessen bekam ich offensichtliche Homophobie, verpackt in einem schlechten Scherz.
Von da an wusste ich, dass etwas mit mir nicht stimmte. 

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„Ihr könnt heiraten wen ihr wollt, solange es ein Kerl ist.“

Das erste Mal, dass die Homophobie meines Vaters zutage tritt, trifft es mich wie ein Schlag. Weil es zum ersten Mal auf mich bezogen ist. LGBTQIA+ zu sein, ist kein Mythos mehr, oder ein Gerücht über eine andere Person. Es geht hier um mich.
Ich kann nur meine Hände zu Fäusten ballen und mich zwingen mich zu beruhigen, denn er ist mein Vater und deswegen hat er recht. 

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„Oh mein Gott, du bist so homo!“

Mir fällt wieder ein, dass „homo“ in meiner indischen Schule immer als Beleidigung galt. Von der zweiten bis zur zehnten Klasse. Acht Jahre, die so viel Einfluss auf dein Leben haben, weil du die Dinge die du dort lernst und mitbekommst für immer verinnerlichst.
Kein Wunder, dass ich dachte etwas wäre falsch bei mir, dazu wurde ich nunmal konditioniert.

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„Was, wenn eine von uns homosexuell wäre? Was würdest du dann tun?“

Ich fahre herum und starre meine Schwester an, die meinen Vater während des Abendessen nach einem seiner homophoben Sprüche mit dieser Frage konfrontiert.
Mir wurde so lange ich denken kann beigebracht, dass homosexuell zu sein falsch ist. Ich bin in Singapur aufgewachsen, in einer Asiatischen Community. Niemand hat über Homosexualität gesprochen, weil es ein totales Tabu ist. Wenn es mal erwähnt wurde, dann nur auf negative Art und Weise. Ich bin im Glauben aufgewachsen, dass homosexuelle Menschen in einer normalen Gesellschaft wie meiner nicht vorkommen. Und für die, die es gibt, ist es ein beschämendes Geheimnis das es zu bewahren gilt.
Mir schwirrt der Kopf, nach der Frage meiner Schwester. Weiß sie, wie genau sie damit ins Schwarze getroffen hatte?
„Wir… würden es akzeptieren“, antwortet mein Vater, aber sein Tonfall spricht Bände.
„Nein, würdet ihr nicht“, sagt meine Schwester darauf. Ich will sie umarmen, weil sie sich gegen meinen Vater und seine laute, rechthaberische Stimme aufgelehnt hat. Und mir dadurch meine gegeben hat.
Aber anstatt mich zu freuen, bricht mein Herz noch ein wenig mehr. Weil sie recht hat, er würde es nie akzeptieren.
Selbst wenn sie recht hat, wenn er falsch liegt, selbst wenn alles was ich mein Leben lang über LGBTQIA+ Menschen beigebracht bekommen habe eine Lüge ist, ich würde trotzdem meine Eltern verlieren, die mich niemals akzeptieren würden.

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“I guess it’s fine but please remember that at the end of the day, d*ck is always better.” 

That’s what greeted me the first time I ever dared tell somebody my best kept secret. I had confessed to my closest friend at the time, hoping for her to reply that it was okay, that it was natural. Instead I got thinly veiled homophobia disguised as humour.
I knew then that there was something wrong with me.

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“You can marry anybody you like, as long as it’s a boy.”

The first time my father’s blatant homophobia slaps me hard in the face. Because for the first time, it applies to me. For the first time, being LGBTQ isn’t just a faraway myth I had heard of, or a rumour about somebody else. It was about me.
But all I can do is clench my fist and force my heart to slow down because he is my father and therefore he is right.

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“Oh my god, you’re so gay!”

I start to remember how “gay” was always used as an insult in my Indian school, from grades two till ten. Eight of the most influential years of your life, when the things you hear become part of your conditioning, your fundamental wiring.
It’s no wonder I thought there was something wrong with me, it had been forced into my programming.

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“What if one of us was gay? What would you do then?”

My head whips in my sister’s direction as she poses this question to my father, just after another of his homophobic rants at dinner.
I’ve been taught, in no particular method, since as far as my memory extends, that being gay is wrong. I grew up in Singapore, amongst an Asian community. Nobody spoke about gay people, because it was a giant tabboo topic. And whenever it was mentioned, it was always in the negative. I grew up believing gay people did not exist in a normal society like mine. And those who did, it was their shameful secret to keep.
My head is reeling at my sister’s words. Did she know how close to home she was hitting?
“We… would accept it,” my father responds, but his tone says it all.
“No you wouldn’t,” my sister replies. I want to hug her because she has spoken against my father and silenced his loud, solo voice, and in doing so has given me one.
But instead of celebrating, the crack in my heart grows wider and deeper. Because she is right, he wouldn’t accept it.
Even if she is right, even if he is wrong, even if what I’ve been taught my entire life about being LGBTQ was a lie, I still lose because my parents would never accept me.

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„Das ist Katie. Sie ist das Mädchen für das ich Gefühle habe.“

Es ist ein großes Wagnis, diese Worte meiner Schwester zu schreiben. Ich schicke ihr auch ein Bild von Katie und mir, beim Weihnachtsball. Wir tragen Ballkleider und Saris.
„Wie süß!“, antwortet meine Schwester und ich starre ihre Nachricht ewig an, erwarte Verurteilung. Aber sie kommt nicht.
Es ist ein unglaubliches Gefühl, von der eigenen Schwester als bisexuell akzeptiert zu werden, während mensch traditionell indische Kleidung trägt.

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„Ich bin bisexuell!“

Verkündet ein*e Kommiliton*in von mir stolz in einem öffentlichen Facebookvideo während des Pride Months. 
Ich bin total aufgebracht und wütend. Niemals würde ich auch nur davon träumen ein solches Video zu posten, für alle meine indischen Verwandten. Es würden so viele Streits entstehen, meine Eltern würden von unserer Community belästigt werden, es gäbe Gerüchte über unsere Familie, ich wäre das leidige Gesprächsthema für die Ewigkeit.
Also ja, ich bin aufgebracht und verletzt, weil ich auch so ein Coming Out verdient hätte. Weil ich ein guter Mensch bin, ich hätte es verdient besser behandelt zu werden, anstatt mich dafür schämen zu müssen wer ich bin.
Ich beginne zu glauben, dass etwas mit der Gesellschaft in der ich aufgewachsen bin falsch ist anstatt mit mir.

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„Mama und Papa fragen ob es etwas mit ihnen zu tun hat? Ich glaube, du solltest es ihnen sagen.“

Sagt meine Schwester am Telefon und ich schweige. Es ist drei Wochen her, dass ich eine Depression und Anxiety Diagnose bekommen habe, während meines sechsten Monats an der Uni. Jetzt habe ich zwei Dinge, für die ich mich schäme. Ich hab keine Lust mehr darauf, mich schämen zu müssen. Weder für meine Sexualität, noch für meine Hautfarbe oder meine psychische Gesundheit. Für nichts davon kann ich etwas, also warum sagt mir die Gesellschaft, dass all das etwas Schambehaftetes ist?
„Kannst du es ihnen für mich sagen?“ Das tut sie. Sie ruft mich danach zurück und sagt, dass Papa einfach nur gesagt hat: „Okay, wir wollen einfach nur, dass sie wieder gesund und glücklich ist.“
Ich bin meinen psychischen Problemen dankbar dafür, dass sie mir erlaubt haben meinen Eltern gegenüber offen zu sein, ohne dass ich enterbt wurde. Etwas anderes hätte ich nicht überlebt. Das Ironische daran ist, dass der Auslöser für mein psychisches Befinden der Stress war, bisexuell in einer asiatischen Gesellschaft zu sein.
Das ist also meine Coming Out Geschichte. Ich will mich nicht mehr schämen müssen. 

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“That’s Katie. She’s the girl I have feelings for at the moment.”

It’s a massive leap of faith. I text these words to my sister with a picture of Katie and me, of us dressed up in ball gowns and saris at the end of year Christmas ball. 
Very cute!” My sister replies, and I stare, waiting for the rejection. But it never comes. 
There is something incredible about being accepted by your sister for your bisexuality while wearing a traditional Indian outfit. 

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“I’m bisexual!”

A classmate of mine announces this proudly and happily in a public video on facebook during Pride Month. 
I feel resentful and angry. I would never dream of posting a video so public, to all my thousand Indian relatives. There would be so many arguments, my parents would be harassed by our community, gossip would spread like wildfire about our family, I would be the topic of ill placed conversation for years on end.
So yeah, I feel resentful and hurt, because I deserved a coming out story like that too. Because I am a good person, and I deserved better than to feel shameful for who I am.
I begin to think that there isn’t something wrong with me, but with the society I grew up in.

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“Mom and dad are asking me if there’s something that they’re doing to stress you out? I think you should come out to them.”

My sister tells me this over the phone and I fall silent. It’s been three weeks since I’ve been diagnosed with depression and anxiety during my sixth month at University. I now carry the shame of two new things in my body. I am tired of feeling ashamed. Of my sexuality, of my skin colour, of my mental illnesses. I can’t control any of these- so why has society dictated that I should be ashamed of all of them?
“Can you tell them for me?” She does. She calls me back and tells me that she told them and that dad had simply replied, “okay, we just want her to be happy and healthy again.” 
I am grateful for my mental illness that it allowed me to come out without being disowned, simply because I was too sick to survive anything else. Ironic since one of the main reasons I became mentally ill was because of the stress of being bisexual in an Asian society. 
That’s the coming out story I got. I am tired of my shame.

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„Wer möchtest du sein?“

Seit zwei Jahren kämpfe ich mit meiner psychischen Krankheit. Ich bin so unendlich müde vom ganzen Selbsthass, dass sich etwas in mir zu verändern beginnt und das Schamgefühl ersetzt. Es ist Wut. Wut gegenüber den Erwachsenen, die gesagt haben, dass homosexuell zu sein eine Sünde wäre, Wut gegenüber meines Umfeldes, das niemals die Möglichkeit offen gelassen hat, dass dieses Denken falsch sein könnte; Wut auf mich selbst, dass ich diesen Scheiß so lange geglaubt habe, Wut auf meine Mitmenschen die so selbstbewusst mit ihrer Sexualität prahlen können, ohne darüber nachzudenken, dass es für den Rest von uns anders sein könnte, weil wir einen anderen Hintergrund und andere Familien haben.
Ich schäme mich nicht mehr. Ich bin wütend. Ich bin wütend und will mich einfach selbst lieben lernen.
Mein*e Therapeut*in fragt mich, wer ich sein möchte. Die Antwort ist: ich weiß es nicht. Alles was ich weiß, ist dass ich wirklich keinen Bock mehr habe, mich dafür zu schämen, wer ich bin. 

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„Als ein psychisch krankes, bisexuelles, braunes Mädchen–“

Ich spreche den Satz nicht zu Ende, denn alle brechen in Applaus aus. Ich blinzle, lasse meinen Blick über meine Freund*innen, Kommiliton*innen und Dozent*innen schweifen, die sich alle für unsere Studiumsabschlussparty versammelt haben. Die habe ich organisiert und ich halte eine Rede.
Ich hatte davon gesprochen, wie uns unser ganzes Leben vorgeschrieben wird, wie wir zu sein haben – aber dass es wichtig ist dem eigenen Herzen zu folgen und herauszufinden, wer du sein willst. Ich hatte sagen wollen: „Als ein psychisch krankes, bisexuelles, braunes Mädchen haben mir Leute mein ganzes Leben gesagt, wer ich zu sein habe“, aber das Klatschen hat mich unterbrochen. Mir fällt auf, dass ich aus Versehen allen von meiner Sexualität erzählt habe.
Psychisch krank zu sein, bisexuell zu sein, braune Haut zu haben, eine Frau zu sein – all das war für mich sehr schambehaftet, bevor ich meinen Weg zur „Besserung“ angetreten habe. Aber zu der Zeit, zu der ich diese Rede halten durfte, nach zwanzig zermürbenden Jahren, habe ich gelernt mich so zu lieben, dass diesen Satz auszusprechen sich angefühlte, wie das ABC aufzusagen. So natürlich und locker, so frei von jeder Scham, dass ich nicht weiter darüber nachdenken musste.
Die Leute haben mich gefeiert, gefeiert wer ich bin. Ich hätte das nicht gebraucht, aber es hat sich verdammt gut angefühlt.

So fühlt es sich an, proud zu sein.
//S.



“Who do you want to be?”

By the second year of battling my mental illness, I am so incredibly tired of hating myself that something begins to replace the shame within me. It’s anger. Anger at the adults who whispered that being gay was a sin, anger at my community for never allowing for the possibility that this way of thinking was wrong, anger at myself for buying into all this crap, anger at my peers for being so proud of their sexuality without thinking about how hard it is for the rest of us from different families. 
I am not ashamed anymore, I am angry. I am angry and I just want to love myself for once in my goddamn life. 
My therapist asks me who I want to be. The answer is I don’t know. All I know is that I am done being ashamed of who I am.

+

“As a mentally ill, bisexual, brown girl-”

I don’t get to finish my sentence, because I am interrupted by an uproar of cheering. I blink, my eyes sweeping over my friends, classmates and tutors, all gathered for our end-of-University departmental party, which I have organised and delivering a speech at. 
I had been talking about how people would tell you your entire life what you can or cannot be- but that you must always follow your heart and be who you want to be. I was about to say “As a mentally ill, bisexual, brown girl- people have told me who I should be my entire life,” but I was cut off by applause. And it dawns on me that I had accidentally just come out to a whole group of people without realising it. 
Being mentally ill, being bisexual, being brown, being a woman- I used to be ashamed of all these things before I started “recovery”. But by the time I was giving that speech, finally after twenty gruelling years, I loved myself so unconditionally that saying that sentence felt like reciting my ABCs. So natural and casual, so shame-free, that I didn’t think twice about it.
And people celebrated me, they celebrated who I am. I didn’t need them to, but damn did it feel good.

This is what it felt like to be proud.
//S.
Name: Shreya (sie/ihr)
Alter: 23
Körbchengröße: 34B
Sternzeichen: Waage
momentaner Lieblingssong: Coney Island – Taylor Swift ft. The National
Wenn ich ein Tier wäre, dann wäre ich: Phönix (kein echtes Tier, aber ich kann mich damit identifizieren)
Drei Dinge, die ich nicht mag: Menschen, die sich nicht entschuldigen können; wenn meine Fandomships nicht zum Kanon gehören; körperliche Schmerzen/Verletzungen.




Name: Shreya (she/her)
Age: 23
Cup Size: 34B
Zodiac Sign: Libra
Current Favourite Tune: Coney Island – Taylor Swift ft. The National
If I Were An Animal, I Would Be: Phoenix (not technically an animal but I RELATE)
Three Things I Don’t Like: people who don’t know how to apologise; my fandom ships never becoming canon; body pains and injuries.

Shreya hat ein Schmucklabel gegründet. Es heißt @risebyshreya und sie benutzt recyclte Stoffe für ihre Ohrringe. Unterstütze ihre Arbeit und kauf Dir ein Paar, ich verspreche, Du wirst es nicht bereuen.
Shreya hat außerdem einen Mental Health Account mit positiven Messages und Zitaten, also folgt ihr auch auf @incandescentdarkness.



Shreya also has a small earring business. It’s called @risebyshreya and she uses recycled fabrics for all her designs. Support her work and buy a pair, I promise you won’t regret it.
Shreya also has a mental health account with positive affirmations and quotes, so do check that out as well on @incandescentdarkness.

Foto// Photo: © Shreya S.
Illustration: commissioned artwork of Shreya at her graduation by @friedbeans

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