STEFAN: HE IS PROBABLY GAY

Busenfreun*innen // Bosom Buddies:
Pride Month Special Part VIII.

2014 
“He’s probably gay!”, sagt Emma, als Ben außer Reichweite ist.

„He definitely is!“, antwortet Shannon mit breitem Grinsen, die Augen weit aufgerissen, und beide lachen.
 
Mit Ben sind wir kurz davor durch ein Dorf gegangen und haben bei strahlendem Sonnenschein „My God is an awesome God“ gesungen. Ich bin 19 und wir sind auf dem Jakobsweg unterwegs. Emma und Shannon habe ich auf dem Weg getroffen, sie sind wenige Jahre älter als ich. Die beiden US-Amerikanerinnen kennen sich schon länger aus einem reisenden Chor-Projekt und nun haben sie sich getroffen, um den Camino zu laufen. Ben haben ihn in der Gegend um O’Cebreiro aufgegabelt, er sieht aus wie ein Teddybear und sein Gesicht strahlt regelrecht, wenn er lacht. Und er ist katholischer Priester.  

Gestern hat er am Essenstisch in der Herberge zum Abendessen einen Gottesdienst mit allen gefeiert und draußen hat zeitgleich jemand meine Unterhosen von der Wäscheleine gestohlen. Es war der wohl christlichste Moment meiner Reise. 

Emma und Shannon singen viel, ich höre mehr zu. Das mit dem Singen habe ich seit dem Stimmbruch nicht mehr wirklich versucht, genauer gesagt: Seitdem mein Musiklehrer mich als Beispiel für den Stimmbruch vorführte. Zuvor war ich lange in kirchlichen Kinderchören gewesen, und, wie es die Erwachsenen nannten: Der Hahn im Korb. Die anderen Jungs der Gemeinde waren viel in den beiden Sportvereinen der Gemeinde aktiv, hauptsächlich beim Fußball, E-Jugend oder wie das heißt. Das Training der Fußballer war drei Mal die Woche und am Wochenende hatten sie ein Auswärtsspiel. Die Gemeinde war stets Erstplatzierter, in schlimmen Jahren auch mal Zweitplatzierter, das aber war dann ein großer Skandal und die gesamte Gemeinde in Aufruhr.  

Fußball hatte ich schon im Kindergarten gehasst. Einmal hatten wir ein Sommerfest mit dem Motto „Es lebe der Sport“, und unsere Gruppe, die Igelgruppe, hatte für die Aufführung vor den Eltern „Fußball“ zugeteilt bekommen. Wir Kinder hatten die Wahl zwischen zwei Rollen: Entweder als Spieler ein Fußballspiel „aufführen“ (Dramaturgischer Höhepunkt: Alle werfen sich auf den Ball und bekommen eine gelbe Karte) oder als Cheerleader einen Tanz erlernen. Beides fand ich scheiße. Ich wollte mich nicht wie bekloppt auf einen Ball stürzen, alberne Laibchen tragen und Strümpfe. Und noch weniger wollte ich mit Pompons begeistert eben die Idioten anfeuern, die sich auf den Ball stürzten.




2014
„He’s probably gay!“ says Emma as soon as Ben is out of earshot. 

„He definitely is!“ replies Shannon with a big grin, eyes wide, and they both laugh.

With Ben, shortly before that, we walked through a village singing „My God is an awesome God“ in the bright sunshine. I’m 19 and we’re on the Camino de Santiago. I met Emma and Shannon on the way, they are a few years older than me. The two US-American women have known each other for some time through a traveling choir project and now they have met up to walk the Camino. We met Ben in the area around O’Cebreiro, he looks like a teddy bear and his face really lights up when he laughs. Also, he’s a Catholic priest.

Yesterday he celebrated a service with everyone at the dinner table in the gîte and at the same time someone outside stole my underpants from the clothesline. It was probably the most Christian moment of my trip.

Emma and Shannon sing a lot, I mostly just listen. I haven’t really tried the singing thing since my voice broke, or more accurately, since my music teacher demonstrated me as an example of voice breaking. Before that, I had been in church children’s choirs for a long time, and, as the adults called it: To be the only man at a hen party. The other boys of the municipality were very active in the two sports clubs, mainly in soccer, E-youth or whatever it was called. The soccer training was three times a week and on weekends they had matches away from home. The local soccer team was always at the top of the league, in bad years sometimes second, but if that happened it was a big scandal and the whole community was in an uproar.

I had already hated soccer in kindergarten. Once we had a summer party with the motto „Long Live Sports,“ and our group, the hedgehog group, had been assigned „soccer“ for the performance in front of the parents. As children, we had the choice between two roles: Either „perform“ a soccer game as players (dramaturgical highlight: everyone throws themselves at the ball and is shown a yellow card) or learn a dance as cheerleaders. I considered both to be crap. I didn’t want to throw myself at a ball like a lunatic, wearing silly leotards and stockings. And even less did I want to enthusiastically root for the very idiots who were rushing to the ball by waving pom-poms.

Die Gemeinde, in der ich aufgewachsen bin, war nicht groß, mein Heimatdorf war noch kleiner. Für ein paar Jahre hatte sich hierhin eine Berlinerin verlaufen, wegen der Liebe. Als sie ging, so das Gerücht, soll sie der Schwiegermutter entgegengeschleudert haben, sie und ihr Kuhdorf könnten ihr gestohlen bleiben. Und so verständlich ihr Frust auch gewesen sein mag, stieß sie mit ihrem Diss doch auf taube Ohren: Kühe hatte unser Dorf keine.

In der dritten Klasse hat meine Mutter mich wöchentlich für einen Zeichenkurs an der Volkshochschule in die Stadt gefahren, wo wir dann aus Vierecken Kühe gemacht haben. Irgendwann war der ganze Bauernhof gezeichnet und Lauras Kühe waren immer noch schöner als meine Kühe, aus denen die schlecht radierten Kanten eines Vierecks ragten, und der Kurs endete. Wie hoch ich schaukeln konnte, bestimmte wieder meinen Horizont.

In der Gemeinde hat jede Ortschaft ihren eigenen Hügel. Wenn ich von dem Hügel, auf dem mein Dorf lag, hinüberguckte auf den Hügel der namensgebenden Ortschaft der Gemeinde, thronte dort 500 Meter über Normalnull die Kirche, spitz in den Himmel zeigend. 

Den Altarraum der Kirche, dieser geheimnisvolle Ort, der ganz eigene ritenhafte Körperbewegungen erfordert, hatte ich mir bald erschlossen. Mit Erstkommunionvorbereitung, den Kinderchören, und dem Dienst als Ministrant lernte ich jeden Winkel des exklusiven Raums kennen. Ich wusste, welches Gesangsbuch der alten Mesnerin gehörte, wo das Weihwasserfass stand, wie das Altarbild von hinten aussah, und wo der Feuerlöscher lagerte. Das Muster des Teppichs ist in mein Gehirn eingebrannt wie das Kleine Einmaleins, drei Reihen mal vier Spalten.

Als der Übertritt aufs Gymnasium anstand, konnte ich wählen zwischen dem Gymnasium, auf das die Jungs meiner Klasse gehen wollten, und dem Gymnasium, auf dem Latein die erste Fremdsprache sein würde. Die Mädchen der Klasse gingen aufs Mädchengymnasium. Ich entschied mich gegen die Jungs meiner Klasse, und der Pfarrer der Gemeinde scherzte, mit Latein könne ich dann ja in seine Fußstapfen treten. 

Die perfekte Symbiose aus Fußball und Kirche ergab sich, als in der Gemeinde die erste Mädchen-Fußballmannschaft gegründet wurde. Die rein weibliche Mannschaft wurde benannt nach dem männlichen Schutzpatron der Kirche, weil die Kirchengemeinde dem Sportverein die Laibchen gesponsert hatte. Und so haben dann alle in ihren nach Genitalien getrennten Gruppen Fußball gespielt – außer mir. 

Aus dem Angebot des Sportvereins nutzte ich nur die Möglichkeit, die Olympische Sportart „Schach“ zu erlernen, wobei das Verbrennen von Kalorien wohl in erster Linie auf der Fahrradfahrt in die Ortschaft geschah, in der der Kurs stattfand. Im Anschluss an den Kurs habe ich immer bei der Familie eines Freundes abendgegessen, und die Gespräche mit dem Vater dieses Freundes waren mein persönliches „Jugend debattiert“. Häufig spielte ich den Advocatus Diaboli für die Katholische Kirche, die Argumentationsmuster kannte ich aus dem Religionsunterricht. Schwule würden als Kinder Gottes von der katholischen Kirche akzeptiert; es sei jedoch Sünde, die „Liebe“, die man erfahren hat, nicht weiterzugeben, und damit eben auch, sich nicht fortzupflanzen. Auch die Argumentationslücke, die sich hierin für das Zölibat von Priestern ergibt, wusste ich zu schließen: Als „Ausgleich“ für die fehlende Fortpflanzung würden sich Priester eben auch in ganz besonderem Maße um die Gemeinschaft kümmern.




The congregation where I grew up was not big, my home village was even smaller. For a few years a Berlin woman had lost her way here, because of love. When she left, so the rumor goes, she hurled at her mother-in-law that she and her cow village can go hang. And as understandable as her frustration may have been, her complaint fell on deaf ears: Our village had no cows. 

In third grade, my mother drove me into town weekly for a drawing class at the adult education center, where we drew cows out of squares. Eventually the whole farm was drawn, and Laura’s cows were still more beautiful than mine, with the poorly etched edges of a square sticking out of them, and the class ended. How high I was able to swing determined my horizon again after that. 

In the parish, each village has its own hill. When I looked over from the hill on which my village was situated to the hill of the name-giving village of the municipality, the church was enthroned there 500 meters above sea level, sticking out its steeple pointedly into the sky.

The altar room of the church, this mysterious place that requires its very own ritualistic body movements, I had soon made my own. With First Communion preparation, the children’s choirs, and service as an altar server, I got to know every corner of the exclusive space. I knew which hymnal belonged to the old sacristan, where the holy water barrel was, what the altarpiece looked like from behind, and where the fire extinguisher was stored. The pattern of the carpet is burned into my brain the same way the multiplication table is, three rows by four columns. 

When it was time to transfer to the High School, I had the choice between the school where the boys in my class wanted to go and the school where Latin would be the first foreign language. The girls in the class went to the High School for girls. I decided against the boys in my class and the priest of the parish joked that with Latin I could then follow in his footsteps.  

The perfect symbiosis of soccer and church occurred when the first girls‘ soccer team was formed in the municipality. The all-female team was named after the male patron saint of the church, because the parish had sponsored the team‘ s uniform. And so everyone played soccer in their genital-segregated groups – except me. 

From the courses offered by the sports club, I only took the opportunity to learn the Olympic sport of „chess“, although the burning of calories probably took place primarily on the bicycle ride to the village where the course was held. After the course, I always had dinner with a friend’s family, and the discussions with this friend’s father were my personal Debate Club. Often I played the Advocatus Diaboli for the Catholic Church, I knew the argumentation patterns from religion classes. Gays were accepted as children of God by the Catholic Church; however, it was a sin not to pass on the „love“ one had experienced, and thus a sin not to procreate. I also knew how to close the argumentation gap that arises in this for the celibacy of priests: As „compensation“ for the lack of procreation, priests would also take care of the community to a very special degree.

Zu Pfingsten organisierte mein Großvater, wie es auch schon sein Vater getan hatte, die jährliche Wallfahrt seiner Pfarrgemeinde nach Altötting, einem Marienwallfahrtsort. Mit 10 Jahren bin ich das erste Mal selbst dabei, von da an dann jedes Jahr bis zu meinem Auszug. Wir gehen 30 Kilometer zu Fuß, es ist anstrengend, aber die eintönige Wiederholung des Rosenkranzes betäubt die schmerzenden Füße, und es ist auch ein spannendes Gemeinschaftserlebnis. Die Kapelle am Ende der Wanderung ist behangen mit Votivtafeln von Menschen, die glauben, die Gottesmutter habe sie aus ihrer Krankheit oder gar aus Todesnot gerettet. Die Geschichten sind berührend. Ich beginne auf der Wallfahrt, mit Gott zu verhandeln. Meine Oma ist regelmäßig in kritischen Zustand im Krankenhaus und vielleicht würde sie ja länger leben, wenn ich nur ganz fest versuchte, die Gedanken an den schönen Jungen im Schulbus zu stoppen?




For Pentecost, my grandfather organized the annual pilgrimage of his parish to Altötting, a place of Marian pilgrimage, as his father had done before him. At the age of 10 I myself went for the first time, and from then on, I joined every year until I moved out. We walk 30 kilometers, it is exhausting, but the monotonous repetition of the rosary numbs your aching feet, and it is also an exciting community experience. The chapel at the end of the hike is hung with votive tablets of people who believe Mary saved them from their illness or even from death. The stories are touching. I begin to negotiate with God on the pilgrimage. My grandmother is regularly hospitalised and in critical condition, and perhaps she would live longer if only I tried very hard to stop thinking about the beautiful boy on the school bus?

„Du wirst mal Pfarrer – oder schwul!“, sagt meine ehemalige Nachbarin und stellt mir meinen Latte Macchiato auf den Tisch. „Da waren sich alle im Dorf einig.“ 

Es ist mittlerweile 2018, die Nachbarin stellt mir die Kaffeemaschine vor und ich ihr meinen Partner. Ich nehme einen großen Schluck Kaffee, um Zeit zu gewinnen, zumindest versuche ich es, der Kaffee ist noch heiß. 

Die Nachbarin ist acht Jahre älter als ich und war lange wie eine große Schwester für mich. Sie meint den Satz über ihre in Erfüllung gegangene Vorhersage nett, es ist eine Demonstration von Menschenkenntnis, doch am liebsten will ich ihr eine schnippische Antwort entgegenschleudern. Ahja?! Ihr „wusstet“ es also all die Jahre? Während ich mit meiner Sexualität kämpfte, ist niemand auf die Idee gekommen, mir Hilfe anzubieten oder auch nur ein Signal der Akzeptanz für schwule Menschen zu senden?! Stattdessen habt ihr getratscht?! Wenn ihr es alle „wusstet“, warum habt ihr dann nichts gesagt, wenn beim Dorffest homophobe Witzchen erzählt wurden? 

Pfarrer oder schwul. Wenn ich auf die Hügel der Gemeinde blicke, ist die Logik deutlich. Hier das Fußballfeld, dort der Kirchturm. Wer nicht Fußball spielt oder die ganze Zeit mit den Mädchen abhängt, ist nicht hetero. Und wer nicht hetero ist, kann Pfarrer werden oder ist eben schwul. 

Pfarrer habe ich schon im Kindergartenalter gesehen, am Sankt-Martins-Tag oder, wenn er meine Großeltern besuchte. Aber geoutete Schwule habe ich erst sehr spät kennengelernt, und einer von ihnen schilderte mir, wie ihn sein Vater zu einer Konversionstherapie bringen wollte. Schwule gab es in Witzen oder als Klischee im Fernsehen, aber sie hatten kein Existenzrecht in der Realität. Wer nicht hetero ist, kann also nur Pfarrer werden.




„You’re going to be a priest – or gay!“ says my former neighbour and puts my latte macchiato on the table. „Everyone in the village agreed on that.“ 

By now it’s 2018, the neighbor introduces me to the coffee machine and I introduce her to my boyfriend. I take a big sip of coffee to buy time, at least I try, but the coffee is still hot.  

The neighbour is eight years older than me and has been like a big sister to me for a long time. She means well, telling me about her prediction, it’s a demonstration of people skills, but I‘ d prefer to hurl a snarky reply at her. Ah yes?! So you „knew“ all these years? While I was struggling with my sexuality, no one thought to offer to help or even send a signal of acceptance for gay people?! Instead, you gossiped?! If you all „knew“, why didn’t you say anything when homophobic jokes were told at the village parties? 

Priest or gay. When I look at the hills of the village, the logic is clear. The soccer field on one side, the church steeple on the other. If you don’t play soccer or hang out with the girls all the time, you’re not straight. And if you’re not straight, you can be a pastor or you’re gay. 

I’ve seen pastors since I was in kindergarten, on Saint Martin’s Day or when he visited my grandparents. But outed gays I met only very late, and one of them described to me how his father wanted to take him to conversion therapy. Gays existed in jokes or as a cliché on television, but they had no right to exist in reality. So if you are not straight, the only thing you can do is become a priest.


Acht Monate später sitzen mein Partner und ich in einer Kirche. Es soll die Hochzeit der ehemaligen Nachbarin sein, aber der Geistliche betont am laufenden Band, dass dies eben keine Trauung sei, sondern nur eine Segnung. Eine richtige Trauung ist nicht erlaubt, denn der Partner der Nachbarin hat bereits einmal geheiratet, und das gelte eben, bis dass der Tod sie scheide. Nun gibt es also eine Segnung. So etwas macht man normalerweise bei Schiffen oder bei Motorrädern, in diesem Fall sind es aber zwei Menschen, die sich lieben.

2021 hat der Vatikan eine Stellungnahme veröffentlicht, dass homosexuelle Paare nicht gesegnet werden dürfen. Ein bisschen Segen und Weihwasser war bislang noch für alles drin, selbst für Gestecke am Palmsonntag. Eine Heirat ist Schwulen und Lesben in der katholichen Kirche ohnehin nicht möglich, aber nun stellt der Vatikan die Liebe schwuler und lesbischer Paare auf ein Level, das unwürdiger ist als das eines Schiffes oder eines Motorrads. Die alte, ohnehin einsturzgefährdete Argumentation, auch Schwule seien Kinder Gottes und es sei ausschließlich der sexuelle Akt, der unrein sei (wir finden die Argumentation auch beim Blutspendeverbot wieder), wird nun vollends ad absurdum geführt.  

Ein gewisses Maß an Homophobie sind wir von der katholischen Kirche gewohnt; ihr haben wir beispielsweise den Hays Code zu verdanken, der die Disney-Bösewichte schwul gemacht hat oder auch den trope des Killers in Frauenkleidern veranlasst hat. Die aktuellen Verlautbarungen der katholischen Kirche signalisieren jedoch ein neues Level an Schwulenhass. Sie sprechen queeren Menschen ihre Würde ganz grundsätzlich ab. 

Henry Frömmichen hat versucht, den Gegensatz zwischen Homosexualität und Priesteramt aufzulösen. Der Pfarrer seiner Heimatgemeinde habe ihm erzählt, Gott sei schwul, weil Gott durch Jesus Mensch geworden sei und dadurch menschliche Eigenschaften angenommen habe – also auch Homosexualität. Frömmichen beschloss, Pfarrer zu werden. 2021 wird er dann jedoch aus dem Priesterseminar, einer Art Ausbildungsstätte für das Priesteramt, ausgeschlossen, weil er ein Selfie mit dem Gewinner des schwulen Bachelor-Formats „Prince Charming“ gemacht hat. Frömmichen wurde nicht in flagranti beim Sex mit einem Mann erwischt oder dabei, wie er etwas „wirklich“ verwerfliches tut, sondern bei einem einfachen Selfie mit einem schwulen Mann.

Das reicht nun aus, um von dieser Kirche verstoßen zu werden: ein Selfie mit einem Schwulen.




Eight months later, my partner and I are sitting in a church. It is supposed to be the wedding of the former neighbour, but the clergyman keeps emphasizing that this is not a wedding ceremony, but only a blessing. A real wedding is not allowed, because the partner of the neighbour has already married once, and the marriage is still valid until death do them part. So now there is a blessing. Such a thing is usually done with ships or with motorcycles, but in this case it is two people who love each other. 

In 2021, the Vatican issued a statement that homosexual couples should not be blessed. A little blessing and holy water has thus far been available to almost anything/anyone, even for flower arrangements on Palm Sunday. In the Catholic Church, gays and lesbians are not allowed to marry at all, but now the Vatican is putting the love of gay and lesbian couples on a level more undignified than that of a ship or a motorcycle. The old line of reasoning, which was in danger of collapsing anyway, that gays are also children of God and that it is exclusively the sexual act that is impure (we can also find the argumentation in the blood donation ban), is now completely reduced to absurdity.

We are used to a certain degree of homophobia from the Catholic Church; for example, the Hays Code, which made Disney villains gay, or the trope of the killer in women’s clothing, is owed to them. The current pronouncements of the Catholic Church, however, signal a new level of homophobia. They fundamentally deny queer people their dignity. 

Henry Frömmichen has tried to resolve the dichotomy between homosexuality and the priesthood. The pastor of his home parish had told him that God was gay because God had become man through Jesus and had thus taken on human characteristics – including homosexuality. Frömmichen then decided to become a priest. In 2021, however, he was expelled from the priesthood seminary, because he had taken a selfie with the winner of the gay Bachelor format „Prince Charming“. Frömmichen wasn’t caught in flagrante delicto having sex with a man or doing something “really” reprehensible, but taking a simple selfie with a gay man.

Now that is enough to be cast out of this church: a selfie with a gay person.

Als ich das „Montero“-Musikvideo das erste Mal sehe, bleibt mir die Spucke weg. In knapp 3 Minuten wird Lil Nas X von einer Schlange verführt, läuft vor ihr weg, muss sich ihr stellen, wird aus dem Paradies verbannt, poledanct in die Hölle herab, gibt dem Teufel einen Lapdance und nimmt schließlich seinen Platz ein. Der Song, die Outfits und die Story sind dabei unerschrocken queer: Von einem Plato-Zitat zu Homosexualität über ein geworfenes Butplug, Coming-Out-Anspielungen, Buch und Film „Call me by your name“ und ein Ganymed-Motiv bis hin zum cleveren Einfall, das Othering von queeren Menschen durch orientalisierte musikalische Elemente darzustellen. Dieser Song zieht und pusht, er wechselt zwischen Anziehung und Zögern und Ausgestoßenwerden, bis schließlich, in der Hölle, Lil Nas X selbst das Zepter übernimmt. Er endet an einem ehrlichen Punkt, im besten Sinne un-ver-schämt und unkaputtbar. In der Hölle gelten die Gesetze des Paradieses nicht mehr und er ist frei und mächtig. Ich drücke replay, replay, replay. Ungläubig, dass er das einfach so machen kann. Ungläubig, dass das geht, dass er dieses Video wirklich gemacht hat. Der rechte Shitstorm lässt nicht lange auf sich warten, Kirchen beten gegen Lil Nas X an. Das alles ist mitkalkuliert, Teil der Gesamtinszenierung, denn Lil Nas X hat das Paradies längst verlassen. Ihre Gesetze gelten nicht mehr für ihn und er behält seinen Platz auf dem Thron. Ich drücke replay und staune.




When I watched the „Montero“ music video for the first time, I couldn’t believe my eyes. In just under 3 minutes, Lil Nas X is seduced by a snake, runs away from it, has to face it, is banished from paradise, pole-dances down to hell, gives the devil a lap dance and finally takes his place. The song, the outfits and the story are undeterredly queer: from a Plato quote on homosexuality to a tossed butplug, coming-out allusions, the book and movie „Call Me By Your Name“, and a Ganymede motif, to the clever idea of depicting the othering of queer people through Orientalized elements. This song pulls and pushes, alternating between attraction and hesitation and being outcast, until finally, in hell, Lil Nas X himself takes the reins. He ends on an honest point, shameless in the best sense of the word and unbreakable. In hell, the laws of paradise no longer apply and he is free and powerful. I press replay, replay, replay. Incredulous that he can just do that. Incredulous that this can be done, that he really made this video. The right-wing shitstorm is not long in coming, churches are preaching against Lil Nas X. But all this is calculated, part of the overall staging, because Lil Nas X has long since left paradise. Its laws no longer apply to him and he retains his place on the throne. I press replay and marvel at it all.

Es sind ein paar Tage auf dem Jakobsweg vergangen, seitdem wir Ben verabschiedet haben, ich bin mit Emma unterwegs und unser Gespräch fällt wieder auf Ben. Emma könne sich nicht vorstellen, wie man Pfarrer werden kann. Ich entgegne, es sei der perfekte Job: Man könne sich um Menschen kümmern, Feiern organisieren und für eine bessere Welt werben. Sie überzeugt das nicht. Das sei es nicht wert, sich selbst zu leugnen.

Wir holen Shannon wieder ein, sie war uns vorausgelaufen, und Emma erzählt, dass sie Leute aus der Band „The Lumineers“ kennt. Jemand macht den Song „Big Parade“ an, und wir singen mit, wo wir textsicher sind.

And oh my my, oh hey hey 
There he goes, the man of faith 
Left the church for a fiancée
Let him love, a man of faith




A few days have passed on the Way of St. James since we said goodbye to Ben, I’m on the road with Emma and our conversation falls on Ben again. Emma says she can’t imagine how anyone could become a pastor. I counter that it’s the perfect job: you can take care of people, organize celebrations and promote a better world. She is not convinced. It’s not worth denying yourself, she says.  

We catch up with Shannon again, she had run ahead of us, and Emma tells us that she knows people from the band „The Lumineers“. Someone turns on the song „Big Parade“ and we sing along where we are text savvy.

And oh my my, oh hey hey 
There he goes, the man of faith 
Left the church for a fiancée 
Let him love, a man of faith

Ich denke an Ben, frage mich, wie sein Leben heute aussieht und ob er wirklich schwul ist. Aber falls er es ist, wünsche ich ihm, er möge – an einer Stange und im Sinne von Montero – zur Hölle fahren.
//S.




I think of Ben, wondering what his life is like today and if he is really gay. And if he is, I wish him to go to hell – on a pole, just like Lil Nas X.
//S.

Name: Stefan ( 🤷🏻 ) 
Alter: 26 
Körbchengröße: // 
Sternzeichen: Steinbock 
Aktueller Lieblingssong:MONTERO (Call Me By Your Name) – Lil Nas X 
Wenn Ich Ein Tier Wäre, Dann Wäre Ich: ein Schmetterling 
Drei Sachen die ich nicht mag: Die Klimakrise, konservative Politik und Blasen an den Füßen. 




Name: Stefan ( 🤷🏻 ) 
Age: 26 
Cup Size: // 
Zodiac Sign: Capricorn 
Current Favourite Tune: MONTERO (Call Me By Your Name) – Lil Nas X 
If I Were An Animal, I Would Be: butterfly 
Three Things I Don’t Like: The climate crisis, conservative politics and blisters on my feet.

Stefan schreibt einen Blog der Weltlage heißt und den Du Dir auf jeden Fall anschauen solltest! Dort geht es viel um Politik, Queerness und die Weltlage eben. Ich kann Dir außerdem nur empfehlen, Stefan auch auf Instagram zu folgen @weltlage.




Stefan also has a blog called Weltlage and I highly recommend you check that one out! It’s all about politics, queerness and the state of the world (as the name suggests). You should also consider following Stefan on Instagram @weltlage.

Fotos // Photos: ©Stefan S.

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