VULNERABILITY

Gefühlsduselei // maudlin

Ich wollte die letzten Tage des Mental-Health-Awareness-Monats nutzen um über meine eigenen mentalen Probleme zu reden und darüber, wie wichtig es ist sich gelegentlich verletzlich zu machen, indem man offen über seine Gefühle spricht. 
2017 war eins der schwersten Jahre in meinem Leben. Ich war grade von zuhause auszogen, in eine neue Stadt in der ich praktisch niemanden kannte; Ich habe mich sehr einsam gefühlt. Das Start-Up das ich mit gegründet hatte ging in die Brüche, genauso wie die Freundschaft zwischen mir und den Menschen mit denen ich die Firma und Wohnung teilte. Ich hatte zunehmend sehr depressive Phasen, in denen ich nur im Bett lag und Netflix schaute. Ich lit unter stärker werdenden Panikattacken. Ich hatte nicht nur psychisch sondern auch physisch zu kämpfen (aber das ist eine andere Geschichte).
Noch dazu kam, dass eine Person die mir sehr nahe stand mir damals sagte, dass ich eine schwache Person ohne Ziel im Leben sei.



During the last few days of Mental Health Awareness Month, I wanted to use the opportunity to talk about my personal struggles and something that I find really important to learn in life: being vulnerable occasionally and open up about how you feel. 
2017 was one of the hardest years of my life. I had just moved out and to a new city where I basically knew no one; I felt very alone. The start-up I co-owned fell apart, just like the friendship with the people I ran it with and shared my flat with. I started having intense depressive episodes where I’d just stay in bed and watch Netflix all day and suffered from severe panic attacks. I didn’t only struggle mentally, but physically as well (that’s a different story though).
On top of that, a person that I thought I was very close with, told me that I was a weak person without a goal in life.
Normalerweise würde ich sagen, dass ich mit Kritik umgehen kann. Natürlich kommt es darauf an, wer einen kritisiert und wie es formuliert ist. In dieser Situation war ich aber definitiv nicht in der Lage mit solch einer Aussage umzugehen, besonders weil sie von einer Person kam, die ich als gute*guten Freund*in betrachtet habe. Ich bin nicht verbittert. Alles sind Erfahrungen von denen man lernen kann und auch wenn ich momentan damit zu kämpfen habe, werde ich daran wachsen.
2017 und alles dem ich in diesem Jahr ausgesetzt wurde schien endlos und schrecklich. Ich weinte sehr viel und rief praktisch täglich meine Eltern an. Als ich dann mit der Uni anfing war ich ein ängstliches Nervenbündel. Zum Glück habe ich durch mein Studium viele tolle neue Freunde getroffen und konnte mich von meinen Gedanken ablenken. Ich zog in eine eigene Wohnung und konnte mich wieder sammeln und aus der toxischen Situation in der ich mich befand ausbrechen. Es war also kein total schlechtes Jahr. Es endete zwar gut, aber hat trotzdem Spuren hinterlassen. 
Meine Ängste sind sehr viel schlimmer geworden. Besonders wenn es um Unisachen geht (also Prüfungen) und manche zwischenmenschliche Situationen. Ich habe viel von meinem Selbstbewusstsein eingebüßt und frage mich viel zu oft, wie mich andere Menschen wohl wahrnehmen. Ich versuche, nicht all zu viel über alles nachzudenken und dankbar zu sein für die vielen guten Dinge die ich in meinem Leben habe; aber manchmal will ich eben trotzdem nicht aus dem Bett aufstehen.



Usually I’d say I can handle criticism well. Of course it always depends, who is criticising you and how the person formulates their critic. At that point in my life I was very much NOT in the right place to handle something like this, especially because it came from someone I considered a really good friend. But I’m not bitter. I know that a lot of it was my fault, too. Everything is an experience that you can learn from and even if I’m struggling now, I will grow from it later.
The year and everything it threw at me just seemed endless and horrible and I cried so much and called my parents basically every day. When I started uni, I was an anxious ball of nerves. Luckily uni blessed me with a bunch of amazing new friends and distraction from my thoughts. I moved into a place for myself and had time to re-charge and get away from the toxic situation that I was in. So 2017 wasn’t completely bad and ended on a good note, but it still left its marks.
My anxiety is still really bad, especially when it comes to uni-related stuff (AKA exams), but also some social situations. I have lost a lot of my confidence and am constantly questioning how people may perceive me. I try not to think about everything too much and be thankful for all the good things I have in my life, but sometimes I still don’t want to get out of bed.
Schon länger (auch bevor ’17)  will ich mir Hilfe suchen und eine Therapie beginnen. Aber natürlich habe ich auch Angst wenn es darum geht eine*einen Therapeut*in anzurufen (oder sonst irgendjemanden) und gegenüber jemandem fremden zuzugeben, dass ich Probleme habe. Eine meiner Neujahrsvorsätze dieses Jahr ist es endlich in Therapie zu gehen. Jetzt sind schon fünf Monate dieses Jahres vergangen und ich habe es erst vor kurzem geschafft zwei Therapeut*innen anzurufen. Erfolglos. Aber ich werde es weiterhin versuchen (hiermit versuche ich mich selbst daran zu erinnern, es durchzuziehen).
Eine Sache die ich seit 2017 gelernt habe ist auf jeden Fall, dass es immer in Ordnung und sehr wichtig ist, um Hilfe zu bitten. Ich habe großes Glück, dass ich von Menschen umgeben bin, mit denen ich offen reden kann. Ich will meine mentalen Probleme und Gefühle nicht mehr für mich behalten, weil ich jetzt weiß, dass das nur in Chaos endet. Sich derart verletzlich zu machen kann beängstigend sein, aber ist es oft wert. Finde Menschen, gegenüber denen du dich öffnen kannst ohne verurteilt zu werden und die dich unterstützen. Auch wenn du dich nur heulend im Bett verkriechst um Teenager-Romanzen zu gucken, so wie ich.
Du bist bestimmt nicht der*die Einzige dem es so geht. Du bist nicht allein. 
Also falls du irgendetwas von dem Folgenden grade hören musst/willst: BITTE UM HILFE. DU MUSST NICHT ZU DIESER PARTY GEHEN. RUF DEN*DIE THERAPEUT*IN AN. WEINE, WENN DU WILLST. ANDERE KÖNNEN ANDEUTUNGEN VERSTEHEN ABER DIREKT ZU SEIN VERSCHWENDET WENIGER ZEIT. DU DARFST ESSEN, WAS IMMER DICH GLÜCKLICHER MACHT. ICH HAB DICH LIEB. VERGESSE NICHT, DEINE MEDIKAMENTE ZU NEHMEN. DU VERDIENST DIESE AUSZEIT. MELDE DICH BEI JEMANDEM DER ZUHÖRT… 
Und am allerwichtigsten: Du bist genauso viel wert wie alle anderen und Verletzlichkeit ist eine Superkraft und kein Zeichen von Schwäche. 
//K. 



For a long time (even before two years ago) I’ve been wanting to get help and go to therapy. It’s just that I have anxiety as well when it comes to calling a therapist (or anyone, really) and admitting to someone I don’t know at all that I struggle. One of my new year’s resolutions this year was to get therapy; it’s been five months and I only recently managed to call two therapists, without success. But I will keep trying (this is me, reminding myself to go through with it).
A thing that I’ve learned since 2017 is definitely that it is always okay and very important to ask for help. I am blessed to have a really good support system of people to whom I can talk to openly. I don’t want to hide my mental struggles from anyone, because I know now that it will only end in a huge mess. Making yourself vulnerable can be very scary but it’s so worth it. Find people that you can open up to without being shamed and who will support you, even if you are a crybaby who watches teenage romances and hides in bed all day, like I do sometimes.
You are never the only one struggling and you are not alone in this.
So in case you need to hear any of this right now: ASK FOR HELP. YOU DON’T HAVE TO GO TO THAT PARTY. CALL THAT THERAPIST. CRY IF YOU HAVE TO. PEOPLE CAN TAKE HINTS BUT BEING STRAIGHT-FORWARD IS LESS TIME CONSUMING. EAT WHATEVER MAKES YOU FEEL BETTER. I LOVE YOU. TAKE YOUR MEDICINE. YOU DESERVE THAT TIME OFF. REACH OUT TO SOMEONE…
And most importantly: you are so valid and vulnerability is a super-power, not a weakness.
//K.

Fotos // Photos: ©Kaja vdB

3 Gedanken zu „VULNERABILITY&8220;

  1. Ob Schnupfen, Verletzlichkeit oder Panikattacken, nichts davon berührt den Wert eines Menschen.
    Eine Pleite beim start-up oder eine zerbrochene Freundschaft sind Niederlagen, mehr nicht, keine Sünden, für die man büssen muss.
    Du bist Du und das ist eine Menge, das kann man hier nachlesen!
    Merk Dir das!

  2. Liebe Kaja,
    Mich hat dein Artikel sehr berührt. Ich bin seit 2 Jahren selbst in Therapie. Es war am Anfang auch ein großer und schwieriger Schritt zu einem Therapeuten zu gehen. Und viele Therapeuten sind auch sehr voll gebucht, deswegen ist es dort oft schwierig einen Platz zu bekommen. Allerdings gibt es glaube ich in jeder größeren Stadt Ausbildungsinstitute, wo man u.a. schneller einen Therapeuten vermittelt bekommt, da diese oft noch in der Ausbildung sind, aber schon therapieren dürfen. Ich komme aus Berlin. Da heißt dieses Zentrum BIPP. Ich bin mir sicher in Leipzig gibt es sowas ähnliches. Ich habe da mal von LAP gehört, aber es gibt sicher auch noch andere Institutionen. Ich hoffe du konntest damit irgendetwas anfangen. Ich wünsche dir alles Gute für deine Zukunft und mach weiter so mit dem Blog wie bisher, mir gefällt er sehr gut! Liebe Grüße, Jannika

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