VULVA TALK

getting down to it

Das es aus irgendeinem Grund nicht üblich ist, offen über seine Geschlechtsteile zu sprechen, wird schon dadurch deutlich, dass es so viele Worte gibt, um die Worte „Penis“ und „Vulva“ zu vermeiden.
Aber warum eigentlich?
Immerhin sind Geschlechtsteile doch nicht nur der Ursprung allen Lebens, sondern im besten Falle auch eine Quelle der Lust und Freude.
Ich sehe in der Tabuisierung dieses Themas ein großes Problem, weil ich zunehmend herausfinden muss, dass ich nicht die einzige bin, die darunter gelitten hat, dass man nicht offen diskutiert, Fragen stellt und ein normales Gespräch über die menschlichen Geschlechtsteile führen kann, ohne sich dafür schämen zu müssen oder es ins Lächerliche zu ziehen.
Lasst uns doch einfach mal darüber sprechen, wie es „da unten“ bei uns aussieht, was wir daran mögen, was wir daran nicht mögen…
Denn nur so können wir feststellen, dass wir vielleicht nicht allein sind mit unseren Zweifeln, dass wir vielleicht alle unterschiedliche Körper haben und somit auch unterschiedliche Geschlechtsteile, aber dass das in keinem Fall bedeutet, dass wir in irgendeiner Weise abnormal sind, etwas nicht stimmt oder wir uns unwohl in unserer Haut fühlen müssen.
Ich habe mir deswegen überlegt, den Dialog einfach zu eröffnen, indem ich über meine eigenen Erfahrungen, Probleme und Zweifel schreibe. Vielleicht lässt sich so das Tabu brechen und wir können anfangen, liebevoller über unsere Körper zu denken und uns darüber auszutauschen, um uns gegenseitig weiter zu bringen, auf dem Weg hin zur Selbstzufriedenheit und Akzeptanz.

Wenn ich mir meine Vulva heute anschaue, dann mag ich sie an den meisten Tagen. Aber das war definitiv nicht immer so. Ich habe lange gedacht, dass sie hässlich ist und dachte auch, dass irgendwas nicht stimmt, weil sie anders aussah als die weiblichen Geschlechter, die man vielleicht in der Umkleidekabine oder in Pornos sieht. Und lange Zeit war meine Vulva deswegen der Ursprung meiner größten Selbstzweifel.
Dafür gibt es drei hauptsächliche Gründe, die ich hier kurz auflisten will. 

 

For some reason that I don’t really get, there is a social stigma about our private parts. You can tell, by the fact how many words we use just to NOT use the words „penis“ or „vulva“.
My question is just why that is?
I mean, our sex organs (penis! vulva! there you go, I said it again!) are not only the source of all life, but also a source of lust and pleasure.
For me it’s a big problem that there is such a taboo about the topic. The reason is, that I’m discovering, that I’m not the only person who had to suffer because no one ever talks about penises and vulvas. There are no open discussions, you don’t ask questions, without it becoming an ironic conversation or you being shamed for it.
But people, let’s just talk about our „down there“s openly and in a serious manner – what we like, what we dislike, what we struggle with…
Because this is the only way that we might find out, that we are not alone with our doubts. That we have different bodies, and therefore different sexual organs, and that there is NO PROBLEM in that. There is nothing „wrong“ or „ugly“ about your vulva/penis; just because it looks different than the ones you have seen, doesn’t mean that you should feel less comfortable in your own skin!
So I thought, I would just start the dialogue and talk about my own experiences, problems and doubts when it comes to my vulva. Maybe we can break the taboo with this discourse, be more caring about our own bodies, exchange thoughts and make a step towards self-confidence and self-acceptance!

When I look at my vulva, I think I like her most days. But that definitely wasn’t always the case! For hell of a long time, I thought she was ugly. I also thought, that something must be wrong with me/her. Because she just looked so different to the other vulvas I saw in locker rooms or in porn.
I cannot stress this enough: my vulva was the source of my BIGGEST self-doubts, ever!
There were/are three main reason for me doubting her, which I’d like to list and explain in the following.

FAKTOR I. // REASON ONE

Mein größtes Problem war immer, dass meine inneren Schamlippen nicht nur beide etwas „raushängen“, sondern die eine noch dazu wesentlich länger als die andere ist. Das fand ich nicht nur lange Zeit hässlich, sondern noch dazu, hatte ich keine Vergleiche, die meiner Vulva irgendwie ähnelten, so dass ich mir anders und falsch vorkam.
Manche haben noch dazu gedacht, die längere Schamlippe wäre die Vorhaut meiner Klitoris, was offensichtlich auch meine positiven Erfahrungen mit meiner Vulva und Sex hemmte.
Ich bin ehrlich, ich war kurz davor eine Schönheitsoperation machen zu lassen und mir die Schamlippen verkleinern zu lassen, so sehr hat es mich gestört. Zum Glück ist es nie dazu gekommen. Dank meines eigenen positiven Entwicklungsprozesses hin zur Akzeptanz meines Körpers und zusprechenden Worten meiner Sexualpartner und meiner Familie (wir reden in unseren Kreisen sehr offen über Körperlichkeit und Sexualität), habe ich gelernt, meine Schamlippen so hinzunehmen, wie sie sind und das hat einiges sehr viel leichter und schöner gemacht.

 

My labia. Oh boy, those were my biggest problems of them all. You see, it’s not only the fact that both my inner labia are hanging out a little, it’s also that one of them is much longer than the other one and really big. I didn’t have any vulvas around me that looked anything like mine. I thought she was ugly. And because I could not compare her to another, similar one, I thought she was abnormal and somehow wrong.
Furthermore some people mistook that one, longer labia for the foreskin of my clitoris, which obviously had a huge effect on my sex life and me having some not so positive experiences in the matter.
I’ll be honest, this went so far, that I was close to getting a surgery to make my labia smaller and just as neat and tugged in as the others I’d seen. That’s how much it bothered me. But luckily it never came to that surgery. Thanks to my own positive mind-set when it comes to my body, that I had to force upon myself in the beginning, and heartfelt words of sexual partners and my family (we are very open about bodies and sexual stuff and talk about all this). Through that I learned to accept my labia the way they are. And I swear, it made many things much easier and more enjoyable.

FAKTOR II. // REASON TWO

Körperbehaarung. Ein Thema für sich, über dass sich sicherlich vieles sagen lässt, aber am aller wichtigsten zu erwähnen ist, dass jeder für sich selbst entscheiden sollte, wie er seine Haare (und in diesem Falle besonders die Schambehaarung) wachsen lassen, rasieren oder trimmen will.
Auch das war ein Prozess, der für mich einige Zeit in Anspruch genommen hat. Eine Zeit lang habe ich immer ein kleines Dreieck stehen lassen, aber war nie so recht zufrieden. Oft kam ich mir ungepflegt vor und das ständige nach trimmen hat Nerven und Zeit gekostet.
Momentan bin ich kurz davor, die dauerhafte Haarentfernungsbehandlung durch Laser zu beenden. Ja, vielleicht ist mir die Haarlosigkeit durch die gesellschaftlichen Normen eingetrichtert worden. Aber ich muss auch sagen, dass ich mich einfach wesentlich sauberer und wohler fühle.

 

Body hair. A topic of its own, but in this case we’ll just focus on pubic hair. First let me say though, that body hair is something everyone needs to wrap their heads around for themselves. You just go and find out what you feel most comfortable with: letting it grow, trimming it, or shaving it off completely.
I also went through that process and it took a lot of time and experimenting. For a while I partly shaved and always left a little triangle to crown my vulva with. It never made me feel comfortable though. Often enough I kinda felt scruffy and the on-going trimming cost a lot of time and nerves.
At the moment I am close to finishing permanent hair-removal AKA laser treatment. Yes, maybe society and the „norms“ when it comes to being hairless and having baby-skin, especially as a woman, got into my head. But having no hair just makes me feel cleaner and more comfortable with myself.

FAKTOR III. // REASON III.

Einen großen Einfluss auf mein Vulva-Selbstbewusstsein hat auf jeden Fall auch meine Periode. Vermutlich wird es den meisten menstruierenden unter uns so gehen, dass sie sich während ihrer Tage meistens eklig fühlen. Mir ging und geht das auf jeden Fall immer noch manchmal so. Ich habe mich immer irgendwie dreckig gefühlt, wenn ich meine Periode hatte, weil mir Blut einfach immer etwas eklig vorkommt. Natürlich blute ich jetzt schon eine ganze Weile und habe inzwischen auch einen Punkt erreicht, wo ich mich einfach damit abfinde, dass mein Körper diesen Prozess monatlich durchläuft. Dass ich es wirklich mag meine Vulva bluten zu lassen, würde ich nicht sagen, aber ich glaube, dass ich eine etwas aufgeklärtere Einstellung zu der ganzen Sache und somit auch zu meiner Vulva habe, was mitunter daher kommt, dass ich einfach offen darüber rede.

 

A big factor that kept my vulva confidence down, was and sometimes still is, my period. I guess I’m not the only person of all menstruating human beings on this planet, who feels gross while on their period. It’s definitely something I have been struggling with forever. I simply used to (and sometimes still do) feel really dirty during my menstruation, because I find blood a little disgusting. Of course I’ve been bleeding for quite a while now and I somehow, kinda came to terms with the fact, that my body goes through this monthly process. I must say, I am not particularly happy about the fact that I bleed outta my vulva on a regular basis, but I guess I grew up a little and found out, that there is nothing (or very little) that I can do about it. I just feel more comfortable about my period, which has to do with the fact that I talk about it openly.

Was ich versuche zu sagen ist: egal welchem Geschlecht ihr angehört oder als was ihr euch identifiziert, jeder Körper ist einzigartig und jeder entwickelt sich anders. Vulvas und Penisse (ich schwöre, hätte ich einen, ich würde auch für die Männer einen solchen Post schreiben), sind komische Dinge, die aber ein Teil von uns sind. Und ein entscheidender Teil.
Es geht nicht um Größe, Form, Behaarung, ob man beschnitten ist oder nicht, Naben, Hautfarbe, Muttermale oder welche Punkte es sonst noch so gibt, die uns zweifeln lassen könnten, sondern einzig und allein um ein gutes Gefühl.
Und vielleicht muss man einfach einmal fragen und drüber reden, um dieses Gefühl zu erleben.
//K.

 

What I’m trying to say is: it doesn’t mater what gender you are, or what you identify as, every body is different and therefore it develops different characteristics. Vulvas and penises (I swear, if I had one, I’d totally write a blog post like this about him, too), are maybe a little weird parts of our bodies. But they are also very important parts.
It’s so not about size, form, the hair, the fact that you are circumcised or not, colour, scars, birthmarks or what ever there might be that you feel insecure about. It’s simply all about feeling good with whatever, no matter what.
And maybe a simple question and discussion with others will help you get to that feeling.
//K.  

Fotos // Pictures: taken from BIG MOUTH, the Netflix Original Series.

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